Sport : Eine Frage der Ehre - Galatasaray will sich heute mit Macht rehabilitieren

Seyfi Alp

Normalerweise hätten Istanbuls Boulevardzeitungen in großen Überschriften die Fans von Galatasaray aufgefordert: "Kommt mit nach Berlin. Unterstützt die Mannschaft." Normalerweise. Wenn Galatasaray in der Champions League nicht 0:5 gegen Chelsea untergegangen wäre. Und dann nicht bloß 0:0 gegen Bursa gespielt hätte. Jetzt fordert aus Gründen der Barmherzigkeit niemand die Fans zur Reise nach Berlin auf, und Galatasaray flog erstmals seit längerer Zeit wieder Linie, weil zu wenig Fans mit wollten. "Die Anhänger stehen unter Schock", sagt ein türkischer Journalist. Galatasaray hat heute (20 Uhr 45, Olympiastadion, ab 23 Uhr in tm 3 als Aufzeichnung) in der Champions League nur noch eine winzige Chance, den dritten Platz in der Gruppe H zu erreichen - und damit wenigstens in den UEFA-Cup einzuziehen.

Allerdings fällt der verletzte Regisseur Hagi aus. Und ob Torjäger und Publikumsliebling Sükür mitspielen kann, ist unklar. Der bestverdienende Profi der Türkei ist angeschlagen, am Sonntag trainierte er allein. Fehlen werden sicher die Mittelfeldspieler Hakan sowie Ümit (jeweils drei Gelben Karten). Dafür rückt Torhüter Taffarel wieder ins Tor, dessen Rot-Sperre abgelaufen ist.

Auf jeden Fall kämpft Galatasaray auch um die Ehre. Eine Blamage würden die Fans den Profis nie verzeihen. Trainer Fatih Terim, der Galatasaray zuletzt dreimal in Folge zur türkischen Meisterschaft geführt hat, steht jetzt schon massiv unter Beschuss. Die Zeitungen attackieren ihn, und als Galatasaray übers Meer nach Bursa reiste, teilte Terim den Reportern grimmig mit: "Ihr könnt schon mitkommen, aber ich kann nicht garantieren, dass ich euch nicht über Bord werfe". Aber Terim hatte auch vor der Saison um drei weitere gute Leute förmlich gebettelt. "Für die Champions League", hatte er gesagt, "ist meine Mannschaft nicht stark genug." Abgelehnt, hatte der Vorstand geantwortet, kein Geld. Das war keine Ausrede. Galatasaray hatte schon in der vergangenen Saison drei Monate lang keine Gehälter gezahlt. Daraufhin gerieten Mannschaft und Vorstand aneinander, und Termin vermittelte, allerdings mit Seitenhieben gegen die Führungsebene. Die keilte vor kurzem zurück. "Fatih Terim ist ein schwieriger Mann. Mit ihm zu arbeiten, ist nicht einfach", sagte Mehmet Cansun, der Vizepräsident des Klubs. Terim drohte daraufhin indirekt mit Vereinswechsel zum Saison. Er hatte zwar vor der Runde drei neue Spieler erhalten, aber denen fehlt die nötige Klasse. Der Medienzar Cem Uzam, Präsident des Liga-Konkurrenten Istanbulspor, hatte das Trio ablösefrei an Galatasaray abgegeben. Selbstverständlich nicht ohne Hintergedanken: Uzam würde gerne Präsident von Galatasaray.

Dann gab Galatasaray doch noch Geld aus: Für rund drei Millionen Mark wurden die Brasilianer Capone und Marcio gekauft. Doch die bislang triste Bilanz, die konnten auch sie nicht verhindern.

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