Sport : Eine Frage der Moral

HSV liegt in Frankfurt zweimal zurück und spielt 2:2

Hartmut Scherzer

Frankfurt am Main - Das wär’s gewesen: Nach 37 Sekunden der einminütigen Nachspielzeit hatte Naohiro Takahara den Siegtreffer für Eintracht Frankfurt gegen den Hamburger SV auf dem Fuß. Trainer Thomas Doll gestand: „Der Adrenalinstoß in diesem Moment war sehr heftig.“ Doch der Japaner, vorige Saison noch beim HSV, jetzt bei den Hessen für Tore zuständig, schoss freistehend daneben. Es blieb beim 2:2 (1:0) zwischen den in dieser Saison unbesiegten Frankfurtern und den sieglosen Hamburgern. 51 500 Zuschauer in der ausverkauften Frankfurter WM-Arena erlebten in der zweiten Halbzeit ein mitreißendes Spiel.

Zweimal ging Eintracht Frankfurt infolge von Freistößen durch Alexander Meier (36.) und Ioannis Amanatidis (58.) in Führung. „Da hat die Zuordnung nicht gestimmt“, kritisierte Doll seine Abwehr, aus der Bastian Reinhardt schon nach 39 Minuten mit einem Muskelfasserriss ausschied. Doch zweimal glich der HSV durch Danijel Ljuboja (51.) mit seinem ersten Saisontor und Boubacar Sanogo (69.) mit seinem vierten Treffer aus. „Wenn wir in letzter Sekunde noch verloren hätten, wären das des Guten zu viel gewesen“, sagte Thomas Doll. Das Guten zu viel für die Eintracht, denn der HSV war weitgehend die spielbestimmende und dominierende Mannschaft, was auch die Statistik bestätigte: Ballkontakte: 57:43 Prozent. Lattentreffer: 2:1 für den HSV. Aber die Eintracht bewies 44 Stunden nach dem 2:2 im Uefa-Pokal gegen Bröndby in Kopenhagen wieder einmal ihre Kampfmoral. Am Ende hatten die Frankfurter 53 Prozent der Zweikämpfe für sich entschieden.

„Es war eine starke Willensleistung unserer Mannschaft“, sagte Frankfurts Schweizer Nationalspieler Christoph Spycher. Der HSV stürzte auf Rang 16. „Damit müssen wir jetzt zwei Wochen lang leben. Aber auch wenn wir jetzt auf einem Abstiegsplatz stehen: Die Mannschaft hat wieder Leidenschaft gezeigt“, sagte Doll.

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