Sport : Eine Frage des Charakters

Hartmut Moheit

Es ist gut möglich, dass sich Alexander Herr den Stammbaum seiner Familie noch einmal ganz genau angesehen hat. War da nicht doch ein Ur-Ur-Großvater, der seine Wurzeln vielleicht in der Schweiz hatte? Dann wäre doch alles viel einfacher für den Schonacher. Er hatte den Bundestrainer Peter Rohwein öffentlich kritisiert und war daraufhin aus dem Springerteam bei Olympia geworfen worden. Bei seinem Ex-Kollegen Michael Möllinger, ebenfalls ein Aufmüpfiger, hatte es auch geklappt: Jetzt springt der Hinterzartener eben für die Schweizer. Erfolgreich ist er deswegen noch lange nicht.

Für Herr wäre das eine Option, über die er derzeit nachdenkt. Das Problem ist nur, dass sich bei ihm offensichtlich eine Verwandtschaft partout nicht finden lässt. Bisher war auch nichts davon zu hören, dass sich irgendein Verband um den 27-Jährigen reißen würde. Es dürfte sich bereits herumgesprochen haben, dass Herr ein Springer ist, der sich in ein Team nicht so gern integrieren lässt. Dazu auch ein Skispringer im besten Alter, in dessen Bilanz der ganz große Satz noch fehlt.

Dass ihm der Deutsche Ski-Verband dennoch entgegen kommen will, spricht dafür, dass man von dem Schwarzwälder mit dem schwierigen Charakter noch einiges erwartet. Zudem sind Skispringer immer auch Individualisten. Diese Erkenntnis war zuletzt im Verband nicht sehr verbreitet. Der Deutsche Meister Frank Löffler beendete deswegen mit 25 Jahren seine Karriere. Zum Lebensmotto von Herr – einmal mehr aufstehen als hinfallen – würde ein Nationalitätenwechsel auch nicht so recht passen.

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