Sport : „Eine Frechheit“

Das deutsche Eishockeyteam erlebt bei der Weltmeisterschaft sein Debakel.

Berlin - Vielleicht haben die Schweizer Jakob Kölliker nach Deutschland geschickt, damit er als Bundestrainer im Eishockey im entscheidenden Moment das ungeliebte Nationalteam des Nachbarn blamiert? Wenn dem so wäre, hätte es auf hohem Niveau geklappt. Am Sonntag hat Kölliker die Deutschen zu einem 4:12 bei einer Weltmeisterschaft gecoacht gegen – Norwegen.

Natürlich, die Schweizer trifft am Debakel von Stockholm keine Schuld. Aber nach so einem seltsamen seltenen Spiel wird die Arbeit des Trainers hinterfragt. Bis Sonntag hatte Deutschland gegen die Eishockeynation aus der zweiten Reihe vier von fünf WM-Spielen gewonnen, bei insgesamt acht Gegentoren. Wie kassiert man zwölf Tore gegen Norwegen? Indem man sich überrennen lässt, körperlos spielt, nicht kämpft? Das Spiel war „eine absolute Frechheit“, fand Philip Gogulla, Angreifer von den Kölner Haien als Beteiligter. „Wir haben den Weg ins WM-Viertelfinale gesucht – und stehen jetzt in der Versenkung.“ 2010 kam das deutsche Team bis ins WM-Halbfinale, 2011 bis ins Viertelfinale. Aber da hieß der Bundestrainer noch Uwe Krupp. Der Schweizer Jakob Kölliker ist sicher ein Eishockeyfachmann. Aber dass er die Spieler mit seiner Art nicht immer erreicht, ist seit Sonntag offensichtlich. Das Team hat unter Kölliker – und das wurde bei allen WM-Spielen deutlich – den Kampfgeist verloren, den es unter Krupp immer bis zur letzten Minute hatte. Zudem hat der neue Trainer ein funktionierendes Spielsystem umgekrempelt, damit ist sein Team in der Defensive anfälliger geworden.

Am dritten Faktor des Misserfolges ist dagegen der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) nicht unschuldig: Vor der WM holte sich Kölliker ein Dutzend Absagen von Spielern ein. Bei Krupp hätte mancher nicht so schnell abgesagt. Aber woher soll Kölliker seine Autorität nehmen? Bis Sommer vergangenen Jahres war der Mann nie in der deutschen Eishockeyszene aufgetaucht. Der DEB überraschte mit seiner Trainerwahl. Generalsekretär Franz Reindl sagt nun, man wolle Kölliker trotz Norwegen nicht infrage stellen, er mache prinzipiell „akribische Arbeit“.

Dass die WM für die Deutschen am Dienstag mit dem Spiel gegen Tschechien weitergeht und auch noch um die direkte Olympiateilnahme gekämpft wird (dazu wäre Platz neun nötig) muss niemanden beim DEB beruhigen – auch nicht, dass Kölliker nun sagt: „Nach einem schlechten Spiel kann man durchaus wieder ein gutes abliefern.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben