Sport : Eine große Erzählung

Contador gewinnt den Giro d’Italia in drei Akten

Tom Mustroph
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Mailand - Pferde fallen. Reiter auch? Tifosi des AC Mailand hatten auf dem Mailänder Domplatz in den Siegesfeiern nach der gewonnenen Fußballmeisterschaft die Installation des Künstlers Mimmo Paladino beschädigt, einige der hölzernen Pferde stürzten von dem großen weißen Salzkegel. Nur wenige Meter davon entfernt erhob sich am Sonntag das Siegerpodest, auf dem Alberto Contador geehrt wurde.

Wer das Dopingverfahren gegen Contador verdrängt, könnte meinen, der Spanier befände sich auf dem Gipfelpunkt seiner Laufbahn. „Er ist die Nummer 1 unter den Fahrern, die ich jemals hatte“, sagte Contadors Teamchef Bjarne Riis. Sportlich war die Vorstellung des Spaniers äußerst souverän. In einem Schauspiel in drei Akten demoralisierte er nicht nur seine Konkurrenz. Er leitete zugleich seine eigene Metamorphose von einem schmallippigen Siegfahrer in einen zu großen Gesten fähigen Tribun ein.

Im ersten Akt warf Alberto Contador all die seit Jahren zu goldenen Regeln des radsports geronnenen taktischen Rücksichten über den Haufen. Er attackierte übermütig in den Flanken des Vulkan Ätna.

In den aufragenden Bergspitzen der Dolomiten ließ Contador an den steilsten Stellen seine mageren Beine wie die Pleuelstangen eines auf Dauerbetrieb gestellten Motors arbeiten und distanzierte im zweiten Akt erneut die Konkurrenz. Die Begleiter, die er fand, belohnte er für geleistete Führungsarbeit mit Etappensiegen.

Beim dritten Akt verhalf der Kapitän des Teams Saxo Bank aus purer Dankbarkeit für Helferdienste im vergangenen Jahr dem Astana-Mann Paolo Tiralongo zum Etappensieg. Es war der erste Sieg des Italieners in zwölf Profijahren. Fortan verstummten die Pfiffe gegen den unter Dopingverdacht stehenden Dauersieger.

Contador fasst nun die nächste große Operation ins Auge. Weil sich das Verfahren des Sportgerichtshofs Cas über seine positive Dopingprobe bei der letzten Tour de France voraussichtlich bis in den Herbst hinziehen wird, strebt er im Juli in Frankreich die Titelverteidigung an. „Man kann zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Rundfahrten gewinnen", kündigte er unverholen an – je nach Ausgang des Verfahrens könnten ihm dann zwei Toursiege und der beim Giro auf einmal aberkannt werden. Die innere Notwendigkeit eines Dramas kann nach fünf Akten verlangen.

„Es ist besser, Contador zu haben, als ihn nicht zu haben“, sagte Giro-Boss Angelo Zomegnan dem Tagesspiegel. Glaubwürdigkeit gehört offensichtlich nicht zu den Kriterien eines solchen Radsportereignisses. Auch das ist eine Lehre des 94. Giro d'Italia. Tom Mustroph

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