Sport : Eine Hacke schockt Italien

Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff gelingt Schweden der Ausgleich zum 1:1

Michael Rosentritt[Porto]

Den Höhepunkt hatten sich die schwedischen Nationalspieler für die 85. Minute aufgehoben. Als zunächst alle Spieler am Ball im italienischen Strafraum vorbeisprangen, reagierte Angreifer Zlatan Ibrahimovic am schnellsten. Mit dem Rücken zum Tor stehend schlenzte er den Ball mit der Hacke in das Tor. Ein unglaublicher Treffer, der Italien schockte und Schweden weiterjubeln lässt. Durch das 1:1 gegen Italien in Porto bleiben die Skandinavier Tabellenführer der Gruppe C.

Die Italiener müssen nun unbedingt einen Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Bulgarien erzielen, um noch in das Viertelfinale einzuziehen. Vor vier Jahren waren sie erst in der Verlängerung des Finales an Frankreich gescheitert. Gegen die bereits ausgeschiedenen Bulgaren müssen sie auf Fabio Cannavaro und Gennaro Gattuso verzichten, die gegen Schweden ihre zweite Gelbe Karte sahen. Im ersten Spiel gegen Dänemark (0:0) hatte die Mannschaft von Trainer Giovanni Trapattoni enttäuscht, diesmal hatten es die Italiener besser gemacht. Zunächst.

Schwungvoll starteten sie in das Spiel und hatten bereits in der dritten Minute die erste Tormöglichkeit, doch Christian Vieri scheiterte an Schwedens Torwart Andreas Isaksson. Wenig später köpfte der italienische Mittelstürmer über das Tor. Beim bis dahin völlig verdienten Führungstreffer in der 37. Minute flankte Außenverteidiger Christian Panucci auf Andrea Cassano, der den Ball mit dem Kopf aus kurzer Distanz zum 1:0 ins Tor beförderte. Der Angreifer vom AS Rom bestritt erst sein viertes Länderspiel. Kurz vor der Pause hätte der 21-Jährige sogar noch erhöhen können.

Die Schweden hatten den Italienern in der ersten Halbzeit nur einige Konter entgegenzusetzen. Dabei war Stürmer Zlatan Ibrahimovic erneut auffälligster Spieler in der Mannschaft des Trainerduos Lars Lagerbäck und Tommy Söderberg. Von der beeindruckenden Offensivkraft aus dem Spiel gegen Bulgarien (5:0) war gegen die kompromisslose italienische Abwehr lange Zeit nicht viel zu sehen. Dann aber versuchte es das Trainergespann mit dem dritten und vierten Stürmer und wechselte Mattias Jonson von Bröndby IF und Marcus Allbäck von Aston Villa ein. Prompt drehte sich das Spiel vollkommen.

Die Schweden drückten auf das italienische Tor. Matthias Jonson hatte in der 77. Minute die bis dahin beste Chance, um für die Schweden den Ausgleich zu erzielen. Aus acht Metern schoss der Angreifer von der rechten Seite auf das italienische Tor, doch Torhüter Gianluigi Buffon konnte mit einem Hechtsprung den Ball gerade noch zur Mitte hin abwehren. Es dauerte noch etwas, dann durften die Schweden nach dem unglaublichen Treffer von Ibrahimovic endgültig jubeln. Die italienischen Fans hingegen verließen das Stadion enttäuscht.

Schon vor dem Spiel hatten sie gepfiffen, als auf der Videoleinwand gezeigt wurde, wie der italienische Nationalspieler Francesco Totti auf der Tribüne neben seiner Lebensgefährtin Platz nahm. Offenkundig hat auch den Tifosi nicht gefallen, dass der Stürmer im ersten Gruppenspiel seinen Gegenspieler Christian Poulsen angespuckt hatte. Nun muss er leiden. Die Fans pfeifen, der europäische Fußballverband belegte ihn mit einer Sperre von drei Spielen, und wenn Italien nicht gegen Bulgarien gewinnt, kommt er bei dieser EM gar nicht mehr zum Einsatz.

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