Sport : Eine historische Aufgabe

Nach 154 Jahren geht Deutschland beim traditionellen America’s Cup wieder an den Start

Hartmut Moheit

Berlin - Erst als Willy Kuhweide das Schreiben mit Stempel und Unterschrift des America’s-Cup-Managements hoch hielt, glaubte auch der Letzte in der Runde daran: Zum ersten Mal nach 154 Jahren wird Deutschland 2007 als Herausforderer um die älteste Segeltrophäe der Welt kämpfen. „Es war ein unglaubliches Gefühl, als ich in Valencia, praktisch auf den letzten Pfiff, unsere Bewerbung am Donnerstag um 22.30 Uhr abgeben durfte und dafür diese Bestätigung bekam“, berichtete die Berliner Segel-Legende gestern im Verein Seglerhaus am Wannsee, seinem alten Klub. Zur Präsentation des gesamten Projektes kam der Kommodore direkt aus der spanischen Hafenmetropole.

Schon vor Monaten hatte Kuhweide versucht, eine deutsche Bewerbung für den 32. America’s Cup auf die Beine zu stellen. Damals hieß sein Projekt noch „Fresh Seventeen“. Davor wiederum gab es bereits „Aerosail“ – das aber war aus Kostengründen gescheitert. Nun heißt die Kampagne „United Internet Team Germany“, benannt nach dem gleichnamigen Sponsor, einem Online-Unternehmen. „Wir haben nächtelang verhandelt, praktisch bis zur letzten Minute, aber letztlich hat mich das gesamte Paket überzeugt“, sagte Ralph Dommermuth aus Montabaur. Dazu gehört vor allem, dass ARD und ZDF umfassende Übertragungsrechte erworben haben.

Der 41-jährige Vorstandsvorsitzende des Unternehmens gab zu, dass er bei der ersten Anfrage, als Sponsor einzusteigen, noch abgelehnt hatte. Gestern aber, nachdem klar ist, dass sein Unternehmen und auch er selbst mit seinem Privatvermögen hinter dem Projekt stehen, schwärmte der Hobby-Segler vom America’s Cup und erklärte damit auch indirekt sein Engagement: „Segeln ist sauberer Sport, da gibt es keine explodierenden Motoren, es ist Hightech, und es gibt jetzt sogar noch viele schöne Bilder darüber im Fernsehen zu sehen.“

Nach seiner Aussage wird der Etat etwa die Hälfte dessen betragen, mit dem Cup-Verteidiger „Alinghi“ aus der Schweiz – mit dem deutschen Segel-Star, dem dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann als Sportdirektor – rechnet. Damit sind etwa 45 Millionen Euro im Gespräch. Nach Angaben von Managing Director Uwe Sasse sei die Suche nach Sponsoren zwar noch nicht abgeschlossen, man brauche aber nicht zwingend weitere Geldgeber. „Am Geld wird es auf keinen Fall scheitern“, bestätigte Dommermuth noch einmal. Im Feld der elf Syndikate, die um die Herausforderung der „Alinghi“ segeln werden, ist dies für ihn ein „vernünftiges Budget“.

Ob damit auch der sportliche Erfolg erreicht werden kann, bleibt offen. „Wir sind zwar etwas spät dran“, bestätigte der zweimalige Olympiasieger Jesper Bank aus Dänemark (siehe Interview), „aber dementsprechend konzentriert werden wir uns dieser für Deutschland historischen Aufgabe stellen.“ Der Start erfolgt mit fünf internationalen Profiseglern, „die zehn America’s-Cup-Teilnahmen bei den verschiedensten Syndikaten als Erfahrung mitbringen“. Der Rest der Crew – zu einer gehören 17 Segler, aber fürs Training sind einige mehr notwendig –, wird unter 160 deutschen Seglern ausgesucht. Und die millionenteure Hightechyacht, die in Kiel direkt am Nord-Ostsee-Kanal gebaut wird, soll bereits im Mai 2006 fertig sein. „Wir fangen erst einmal mit gebrauchten America’s-Cup-Yachten an, die für uns im Mittelmeer bereit liegen“, sagte Bank.

Bereits bei den nächsten Testregatten vor Valencia vom 16. bis zum 22. Juni wird das deutsche Boot gemäß den Cup-Regularien erstmals segeln. Dabei glaubt niemand, dass es beim ersten Anlauf sofort mit dem Cupsieg 2007 enden könnte. „Viertel- oder Halbfinale, das wäre schon was“, sagte Dommermuth. Sein Engagement will er längerfristiger anlegen, etwa bis zum America’s Cup 2011. Der Traum von einem deutschen Sieg lässt ihn nicht los.

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