Sport : Eine Hürde weniger

Ullrich will jetzt noch eine Speichelprobe abgeben

Friedhard Teuffel

Berlin - Das menschliche Erbgut ist eine höchst private Angelegenheit, und deshalb hat sich Jan Ullrich auch genau überlegt, was er mit seiner DNS anstellt. Jedenfalls wehrte sich Ullrich juristisch gegen die Auslieferung seiner Speichelprobe an die Staatsanwaltschaft Bonn. Die will Ullrichs DNS schließlich abgleichen mit den Blutbeuteln, die in Spanien beim mutmaßlichen Doping-Netzwerker Eufemiano Fuentes gefunden wurden. Jetzt aber erklärte Ullrich, in Deutschland selbst eine Speichelprobe abgeben zu wollen.

Das ist eine Wendung im Fall Ullrich, gegen den die Bonner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug gegen seinen früheren Arbeitgeber T-Mobile ermittelt. „Wir haben der Staatsanwaltschaft schon am 22. Januar mitgeteilt, dass Jan Ullrich zur Abgabe einer Speichelprobe bereit ist“, sagte dessen Rechtsanwalt Johann Schwenn. Dass Ullrich die Herausgabe seiner Schweizer Probe erst verwehrte und nun selbst aktiv wird, kann Schwenn erklären: „Wir wollen die Privatsphäre von Ullrich schützen.“

Damit meint er dies: Die Schweizer Speichelprobe ist Bestandteil einer Aktion der Schweizer Behörden, um die sie die Bonner Staatsanwaltschaft mit einem Rechtshilfeersuchen gebeten hatte. Dazu gehörte auch eine Hausdurchsuchung bei Jan Ullrich und die Beschlagnahmung persönlicher Dinge wie seines Kalenders und privater Aufzeichnungen. „Das geht keinen etwas an“, sagte Schwenn, „man kann es nicht widerspruchslos hinnehmen, wenn in seinen persönlichen Dingen herumgestöbert wird.“ Die Bonner Staatsanwaltschaft erhoffte sich von diesen Unterlagen jedoch weitere Hinweise. „Das liegt auf der Hand“, sagte Fred Apostel, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Immerhin steht dem DNS-Angleich nun nichts mehr im Wege. „Die Staatsanwaltschaft weiß, dass sie eine Probe von Jan Ullrich bekommt. Was die Auswertung betrifft, sind wir sehr zuversichtlich“, sagte Rechtsanwalt Johann Schwenn.

Die Zusammenarbeit mit den spanischen und den Schweizer Behörden ist nicht die einzige grenzüberschreitende Maßnahme, die von der Bonner Staatsanwaltschaft getroffen wurde. Sie will auch noch das Material auswerten, das die belgische Polizei bei einer Hausdurchsuchung von Ullrichs sportlichem Mentor Rudy Pevenage sichergestellt hat. Die spanischen Behörden hatten bekannt gegeben, dass Pevenage mit Fuentes in Kontakt gestanden habe. Pevenage hatte eine Zusammenarbeit mit dem spanischen Arzt bestritten.

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