Sport : Eine kenianische Angelegenheit

Jörg Wenig

Peter Chebet hat in Berlin die "Kenianischen Halbmarathon-Meisterschaften" gewonnen. So konnte man das bezeichnen, was sich gestern morgen beim 22. Berliner Halbmarathon getan hat. Von den Europäer war vorn nicht viel zu sehen. Das war keine Überraschung, schließlich fehlten jene weißen Läufer, die mit den Afrikanern normalerweise noch mithalten können.

So siegte Chebet in international gutklassigen 61:19 Minuten, gefolgt von einem Dutzend seiner Landsleute. 13 Kenianer auf den ersten Plätzen, das ist ein Novum bei den Berliner Laufveranstaltungen. Auch bei den Frauen triumphierte Kenia: Bei ihrem Debüt siegte Rose Cheruiyot in 69:32 Minuten, der zweitschnellsten bisher in Berlin gelaufenen Zeit über die 21,0975 km. Platz zwei ging an Restituta Joseph aus Tansania.

Insgesamt hatten die Organisatoren vom SCC Berlin die Rekordzahl von 14 709 Meldungen aus 49 Nationen registriert. Darunter waren neben Inlineskatern und Rollstuhlfahrern auch 1290 Schüler und Kinder, die bei Rennen über 4 km beziehungsweise 800 m an den Start gingen. "Wir sind glücklich über diesen neuen Teilnehmerrekord und zufrieden mit den Leistungen der Spitzenläufer. Ich hoffe, dass wir die Starterzahlen im nächsten Jahr wiederum um 20 Prozent steigern können", sagte Cheforganisator Horst Milde. "Organisatorisch lief abgesehen von Kleinigkeiten alles glatt."

Dazu gehörte zum Beispiel die Uhr seines Führungsfahrzeuges, mit dem er vor der Spitzengruppe der Kenianer fuhr. Nach Kilometer acht lief die Stoppuhr auf dem Autodach nicht mehr mit. Stattdessen sprang sie auf null zurück und ließ sich auch nicht mehr neu einstellen. Wie die Uhr ließ es auch die zehnköpfige Spitzengruppe in der ersten Rennhälfte ruhig angehen. Vor allem die Kenianer hielten sich zurück. "Auf dieser Strecke kann man eigentlich sehr schnell laufen, aber für uns war es zu kalt", erklärte der Sieger Peter Chebet später.

Etwas wärmer war den Afrikanern dann offenbar nach der ersten Hälfte. Zunächst setzten sich Daniel Kirui und Augustus Kavutu ab, doch Chebet, der als Favorit nach Berlin gekommen war, schloss bald wieder auf. Nur Kirui konnte mit dem 27-jährigen Chebet bis zum Ende mithalten, doch im Spurt setzte sich der Bruder des Weltklasse-Marathonläufers Joseph Chebet mit einer Sekunde Vorsprung durch.

Die Siegprämie von 1500 Euro erhielt Chebet, ebenso wie seine Landsmännin Rose Cheruiyot. Bis etwa zur Hälfte des Rennens dauerte der Zweikampf mit Restituta Joseph. Dann musste die Läuferin aus Tansania die Debütantin ziehen lassen. "Für meine Halbmarathon-Premiere ist das ein sehr gutes Ergebnis", sagte die 25-Jährige, die bereits als Juniorin große Erfolge gefeiert hatte. Cheruiyot plant auch für das kommende Jahr ein Debüt: im Marathon. Mark Milde, der auch beim Berlin-Marathon für die Verpflichtung der Topathleten zuständig ist, hat dies ebenso registriert wie die Absicht von Peter Chebet. Der will 2003 ebenfalls seinen ersten Marathon laufen.

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