Sport : Eine Klasse für sich

Investoren wollen Abstieg in England abschaffen

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Fußball in fremder Hand. Manchester City (in Blau) gehört Geschäftsmann Suleiman El-Fahim aus den Emiraten, Aston Villa dem US-Amerikaner Randy Lerner. Foto: AFP
Fußball in fremder Hand. Manchester City (in Blau) gehört Geschäftsmann Suleiman El-Fahim aus den Emiraten, Aston Villa dem...Foto: AFP

Larry Lucchino sagt, dass er als US-Amerikaner ja schon sehr lernwillig gewesen sei in Europa. Er habe sich beigebracht, „Football“ anstatt „Soccer“ zu sagen und den FC Liverpool nicht als „Franchise“ zu bezeichnen. Lucchino ist der Geschäftsführer der Baseball-Mannschaft Boston Red Sox und Teil der Führungsriege der amerikanischen Eigentümerfirma Fenway Sports Group, der seit einem Jahr auch der FC Liverpool gehört. Doch wer so viel Geld ausgibt, der möchte natürlich auch ein paar eigene gute Sitten importieren.

Richard Bevan, der Geschäftsführer der englischen Profitrainervereinigung, berichtete am Montag von Plänen, Auf- und Abstieg in der Premier League abzuschaffen und das in den amerikanischen Profi-Ligen übliche Franchising-System einzuführen. Der seriöse „Daily Telegraph“ berichtete von Gesprächen zwischen Liverpool und Manchester United, das ebenfalls von Amerikanern, der Glazer-Familie aus Florida, kontrolliert wird. „Eine Reihe von Klubs im Besitz von Ausländern spricht darüber”, sagte Bevan, „die Amerikaner und auch ein paar asiatische Eigentümer prüfen das Modell.“ Zehn Erstligavereine befinden sich derzeit in ausländischer Hand, die Hälfte davon in amerikanischer. Insgesamt 14 der 20 Premier-League-Klubs müssten der Regeländerung zustimmen. Vier ausländische Besitzer mehr, sagte Bevan, und eine Abkopplung der Premier League vom Rest des englischen Fußballs wäre nicht mehr völlig undenkbar.

Ein Alleingang der finanzstärksten Fußballliga der Welt würde aus Sicht der ausländischen Investoren Sinn machen: Eine geschlossene Gesellschaft verspricht Planungssicherheit und die Möglichkeit, Transfergelder und Gehälter einzuschränken – wie in Nordamerika. Dort sind die vier großen nordamerikanischen Profiligen im Baseball, Football, Basketball und Eishockey geschlossene Gesellschaften. In die Ligen kommt nur, wer eine Franchise kauft oder so viel Geld auf den Tisch legen kann, dass er nach einer Erweiterung an der Liga teilnehmen darf. Auch die nordamerikanische Fußballliga Major League Soccer ist eine geschlossene Gesellschaft – als einzige Fußballprofiliga.

Wenn man dem Bolton-Wanderers-Vorsitzenden Phil Gartside – einem Engländer – glauben will, scheint ein derartiges Modell in England möglich. Gartside soll sich für eine Premier League ohne Auf- und Abstieg ausgesprochen haben, distanzierte sich am Dienstag aber davon. Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson bezeichnete die Pläne als potenziellen „Selbstmord” für die Liga. „Man kann nicht die Türen verschließen”, sagte er. „Allein in der zweiten Liga spielen mindestens acht große Vereine mit Geschichte und Tradition. Man kann ihnen nicht verbieten, ihre Ambitionen zu erfüllen.“

Von den Eigentümern aus Übersee wollte sich niemand zu den angeblichen Reformwünschen äußern. Allein Aston Villa, seit 2006 im Besitz des New Yorker Milliardärs Randy Lerner, erklärte, man sei „überrascht und verwirrt” über Bevans Aussagen. Der Fußballverband FA versicherte, gegebenenfalls sein in den Premier-League-Statuten verankertes Vetorecht einzulegen und auch die Uefa zu mobilisieren. Die Revoluzzer müssten sich also komplett vom globalen Fußballsystem loslösen. Diese Hürde erscheint noch zu hoch, aber in England ist eine Diskussion eröffnet, die vor ein paar Jahren noch undenkbar war.

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