Sport : Eine Liebe aus Ohio

Bei einem Schüleraustausch spielte Christian Mohr mit 16 erstmals American Football – heute ist er Profi

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Christian Mohr hat seine Leidenschaft spät entdeckt. Mit 16 spielte er während eines Schüleraustausches in den USA zum ersten Mal American Football. Als er nach einem halben Jahr in Ohio nach Deutschland zurückkehrte, bliebt er anfangs zwar beim Football, doch mehr als ein paar Monate hielt er es bei dem kleinen Klub in seiner Heimatstadt Aachen nicht aus und gab auf. „Es war nicht das, was ich mir vorgestellt habe, sagt der 24-Jährige rückblickend. Heute spielt Mohr wieder Football. Und er ist so erfolgreich wie noch nie. Mit Berlin Thunder eröffnet er heute die Saison der NFL-Europe. Doch Mohr ist nur ausgeliehen. Unter Vertrag steht der Deutsche bei den Seattle Seahawks in der NFL, in der stärksten Liga der Welt.

Dorthin war es ein langer Weg. Drei Jahre, nachdem er mit dem Football aufgehört hatte, fing Mohr wieder an, bei Aachen in der fünften Liga. Er war damals 19. Ein so später Karrierebeginn ist in vielen anderen Ballsportarten kaum vorstellbar. Doch beim Football ist vor allem die Athletik entscheidend. Robustheit und Schnelligkeit sind ausschlaggebend für einen guten Spieler. Diese Voraussetzungen brachte der 1,96 Meter große und 108 Kilogramm schwere Mohr mit: Bevor er Football spielte, hatte er es mit Leichtathletik und Karate versucht. Ballgefühl braucht beim Football eigentlich nur der Quarterback. Auf Mohrs Position, er ist Defensive End, muss entweder der gegnerische Läufer mit dem Ball gestoppt oder der Quarterback niedergerissen werden. Beim Abschätzen des nächsten Spielzuges der gegnerischen Mannschaft sieht Mohr allerdings noch einen Nachteil, der mit seinem späten Start zusammenhängt: „In diesem Bereich habe ich gegenüber den Amerikanern noch Nachteile.“

Erst mit 20 gelang Mohr ein entscheidender Schritt in seiner Karriere. Er schaffte den Sprung in Düsseldorfs Bundesliga-Mannschaft. Mohr lacht, wenn er sich daran erinnert: „Ich habe bei den Düsseldorfern angerufen, um nach dem Training für Jugendliche zu fragen.“ Dafür war er zu alt, aber man gab ihm die Nummer des Trainers der Erwachsenen. „Die habe ich mir gar nicht erst aufgeschrieben, weil ich dachte, dass ich dort keine Chance hätte.“

Doch er hatte Glück. Düsseldorf rief ihn zurück. Nach etwas mehr als einem Jahr wurde Mohr von einem Spielerbeobachter entdeckt und zum Probetraining bei Thunder eingeladen. Er schaffte es ins Team. Und nach der guten letzten Saison, in der er mit Thunder den World Bowl gewann, bekam er das Angebot aus Seattle. Er erhielt einen Zweijahresvertrag und durfte eine Saison mittrainieren. Nun kehrt er zum zweiten Mal aus den USA zurück. Und noch einmal wird er nicht aufhören.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben