Sport : Eine Liga besiegt ihre Spieler

NHL führt Gehaltsgrenze für Eishockey-Profis ein

Claus Vetter

Berlin - Eishockey-Fans in Nordamerika hatten eine Saison lang wenig Freude an ihrem Lieblingssport – soweit sie nicht Anhänger der unterklassigen American Hockey-League oder Freunde kanadischer Junioren-Teams sind. Doch das Leiden hat ein Ende. Die National Hockey-League (NHL) kehrt zurück. Nach einem Jahr zäher Verhandlungen hat die Spielergewerkschaft zunächst für sechs Jahre die von den Klubbesitzern geforderte Gehaltsbeschränkung akzeptiert: Künftig dürfen die 30 Klubs nur noch einen Spieleretat von 39 Millionen Dollar pro Jahr haben und den Profis maximal 7,8 Millionen Dollar zahlen. Bisher hatten Spitzenteams schon mal Budgets von 80 Millionen Dollar, war der Tscheche Jaromir Jagr von den New York Rangers mit elf Millionen Dollar Jahresgehalt Topverdiener der Liga.

Die Gewerkschaft der NHL-Profis hat also verloren. Anfangs hatte sie nicht einmal eine Gehaltsobergrenze von 42 Millionen Dollar akzeptiert. „Der Streit hat begonnen, weil wir uns gegen die Einführung einer Lohngrenze gewehrt haben“, sagt Stürmer Jagr, „jetzt wären wir froh, die anfangs vorgeschlagenen Löhne zu erhalten.“ Die Beschränkung der Budgets gibt den Klubbesitzern die Hoffnung, dass sie aus ihren überwiegend defizitären Unternehmen nun Kapital schlagen können. Die Vernunft hat in finanzieller Sicht also gesiegt. Ob die NHL gesiegt hat? Schon vor der Pause hatte sie in den USA Probleme, auch wegen schlecht dotierter Fernsehverträge. In der Pause wird die NHL keine Fans dazugewonnen haben. Zudem wird die NHL, die es einmal gab, nicht zurückkehren. Denn nicht alle Profis freuen sich auf die Rückkehr zum alten Arbeitgeber. Jagr soll in New York zwar als Ausnahmefall 8,36 statt 7,8 Millionen Dollar verdienen, doch bei Avangard Omsk In Russland – dort war Jagr in der NHL-Pause beschäftigt – bekäme er mehr. Der Klub gehört Ölmagnat Roman Abramowitsch und hat einen Etat von rund 60 Millionen Dollar.

In der NHL dürfen sie laut Tarifvertrag Neulingen in den ersten vier Jahren künftig nur maximal 850 000 Dollar pro Jahr zahlen. Damit muss die Liga, die sich als beste Liga der Welt tituliert, auf den weltbesten Jungstar verzichten: Die Washington Capitals freuten sich, als sie sich 2004 vor allen anderen NHL-Klubs die Rechte an Alexander Owetschkin sichern konnten. Der 19 Jahre alte Russe spielt aber künftig nicht für Washington, sondern in Omsk – für 3,6 Millionen Dollar. Eine Absage an die NHL? Früher undenkbar. „Junge Spieler werden in der NHL wenig verdienen und für ältere wird wenig Platz sein“, glaubt Pierre Pagé von den Berliner Eisbären, lange NHL-Trainer. „Viele von ihnen werden in Europa spielen. Trotzdem: Mit der Einigung hat die NHL verhindert, dass sie aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwindet.“

Denn ein Jahr lang kurvten viele NHL-Stars als Gastarbeiter in Europa herum. Das war hart für die Fans in Nordamerika. Aber war es wohl eine lehrreiche Zeit für die NHL, die in Europa zugeschaut hat und nun zuschauerfreundliche Neuerungen einführt: Es wird in der NHL keinen Zwei-Linien-Pass mehr geben und endet ein Spiel Unentschieden, wird nach der Verlängerung das Penaltyschießen entscheiden – so wie es in Europa schon lange üblich ist.

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