Sport : Eine Liga mit vielen Unbekannten

Wenig Kontinuität und eine Menge neue amerikanische Spieler bereiten das Feld für Überraschungen

Lars Spannagel

Berlin - Albas Umzug ist bei weitem nicht der größte, den ein Team der Basketball-Bundesliga (BBL) in diesem Sommer unternommen hat. Rekordmeister Bayer Giants Leverkusen soll nun ein paar Kilometer weiter als Giants Düsseldorf an alte Erfolge anknüpfen. Es bewegt sich etwas in der BBL – im Guten wie im Schlechten.

In Düsseldorf steht nun vor allem das Ringen um die Herzen der Fans im Vordergrund. Giants-Geschäftsführer Claudio Di Padova will um alte und neue Anhänger kämpfen: „Egal woher: Ich beantworte jede E-Mail selbst.“ Er kann aber auch verstehen, dass viele Leverkusener Fans tief verletzt sind und selbst den kurzen Weg in die neue Heimat der Giants aus Prinzip nicht antreten wollen. Immerhin: Sechs Spieler haben den Umzug mitgemacht – so viel Kontinuität können nicht alle Klubs vorweisen.

Es herrscht eine hohe Fluktuation, innerhalb der Liga und von außerhalb. Die Neuzugänge sind meist amerikanisch und oft schwer einzuschätzen. Das hat auch Vorteile: Überraschungen sind immer möglich, in der Vorbereitung schlug etwa Gießen die weitaus höher eingeschätzten Quakenbrücker und Bonner. Vielen Teams ist das Halbfinale genauso zuzutrauen wie das Verpassen der Play-offs. Vom Etat her kann Bamberg noch am ehesten mit Alba mithalten. Aufsteiger Nördlingen hat gerade einmal rund eine Million Euro zur Verfügung – rund ein Siebtel dessen, was in Berlin investiert wird.

Dass sich die Saison auch wirtschaftlich so spannend gestaltet wie die vergangene, hofft niemand. Im Januar beendete der langjährige Mäzen der Köln 99ers überraschend sein Engagement. „Der Mann hat jahrelang alle Rechnungen der Kölner bezahlt, es gab keinen Grund, an ihm zu zweifeln“, sagt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. „Noch zwei Wochen vorher hatte er der Liga 20 000 Euro überwiesen.“

Köln musste einen Insolvenzantrag stellen, viele Spieler flüchteten zu anderen Klubs, Alba sicherte sich die Dienste von Aleksandar Nadjfeji und Immanuel McElroy. Jürgen Wollny, der die Kölner als Investor vor dem Untergang rettete und den Klub jetzt als geschäftsführender Gesellschafter leitet, berichtet von „einem gewissen Misstrauen“, das dem Thema Basketball seit der Insolvenz in Köln immer noch entgegenschlägt.

Kölns Erfolgstrainer Sasa Obradovic ging zu Dynamo Kiew, der Klub konnte ganze drei Spieler halten – keiner davon älter als 19 Jahre. Die klamme Lage nicht nur in Köln könnte jungen deutschen Spielern die Chance geben, sich in der Liga durchzusetzen. Drei Deutsche muss jeder Klub pro Spiel melden.

Jan Pommer glaubt, dass sich ein Debakel wie die Pleite der Kölner nicht wiederholen wird. Aber: „Das kann überall passieren, auch im Handball oder im Eishockey.“ Anders als die Deutsche Eishockey-Liga oder die Handball-Bundesliga kann die BBL auch nicht auf üppige Fernsehgelder hoffen. Deutscher Basketball findet weiterhin hauptsächlich im Internetfernsehen, über Satellit oder häppchenweise in den dritten Programmen statt. Das Angebot soll Schritt für Schritt wachsen, eine schelle Änderung ist aber nicht in Sicht. Die Hallen hingegen dürften voll sein: Schon in der vergangenen Saison gab es einen neuen Zuschauerrekord, neben Alba sind auch die Bonner in eine neue und größere Halle umgezogen.

Was alle Teams der Liga eint, ist der Wille, den großen Favoriten zu ärgern. „Unser Vordenker Marco Baldi sagt immer, wir sollen uns ambitionierte Ziele setzen“, sagt Ulms Manager Thomas Stoll. „Also sage ich: Wir wollen in dieser Saison ein Spielviertel gegen Alba gewinnen.“

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