Sport : Eine Liga ohne Profil

Claus Vetter wundert sich zum Saisonende über die NFL Europa

Claus Vetter

Thunder hat sein letztes Saisonspiel hinter sich gebracht. Die Berliner beenden die Saison im europäischen Ableger der National Football League (NFL) als Tabellenletzter. Eine weitere Tragödie in dieser Saison für den Sport an der Spree, wo im Fußball, Eishockey oder Basketball nicht viel los war? Nein. Es ist praktisch egal, wie Thunder abschneidet. Denn der Klub spielt nur in einer Reserveliga der NFL.

Die Leistungen der – schlecht bezahlten und fast nur nordamerikanischen – Footballer sind aller Ehren wert. Doch der Versuch ist fehlgeschlagen, der europäischen Filiale, die eine deutsche ist (fünf von sechs Klubs kommen aus Deutschland), ein Profil zu verpassen. Die Umbenennung von „NFL Europe“ in „NFL Europa“ brachte nichts. Ebensowenig die Regel, dass zwei Spieler („Continuity Players“) in die fluktuierenden Teams aus dem Vorjahr zurückkehren müssen – bei mehr als 50 Spielern im Kader. Dann gab es noch Fernsehrechte umgekehrt: Die Liga kaufte sich im DSF mit dem Magazin „American Football Showtime“ ein. Zudem sollten Klubaktionen mit Namen wie „Bring a friend“ die viel zu großen Stadien füllen. Es half kaum, vorgestern sahen Thunder in Amsterdam 11 893 Leute.

Die NFL hat auch im 15. Jahr keine Erfolgsgeschichte in Europa geschrieben, auch wenn das Finale namens „World Bowl“ noch aussteht. Dann beginnt die „Off-Season“ – neun Monate lang. Diese Pause ist viel zu lang, um eine Liga zu etablieren, die mehr ist als eine durchrauschende Showkarawane nach der Marke Harlem Globe Trotters. In zweieinhalb Monaten Saison lässt sich kein Profil gewinnen.

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