Sport : Eine Liga zu wenig

Christian Hönicke

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht im deutschen Fußball. Sie heißt in beiden Fällen: Ab 2008 soll es eine eingleisige Dritte Liga geben – ohne die ungeliebten zweiten Mannschaften der großen Profivereine. Der positive Aspekt dieses Plans betrifft in erster Linie Traditionsvereine wie Fortuna Düsseldorf oder Darmstadt 98, die sich einer großen Vergangenheit, aber keiner allzu erfreulichen Gegenwart erfreuen und nun zurecht darauf hoffen können, in einer konzentrierten dritten Profiliga mehr Zuwendung zu erhalten. Ein Spiel zwischen dem FC St. Pauli und den Stuttgarter Kickers erregt in jedem Fall mehr Aufmerksamkeit als ein Aufeinandertreffen von Hertha II und dem HSV II.

Allerdings kickt der Großteil des viel versprechenden deutschen Nachwuchses genau in diesen kommerziell unattraktiven zweiten Teams der Profiklubs. Künftig müssen sie nun in den vierten Ligen spielen. Angeblich bieten sich dort bessere Entwicklungsmöglichkeiten, doch das Gegenteil ist der Fall: Mit dem Niveau der Spielklasse sinkt auch das der Talente. Bald könnten noch weniger deutsche Spieler den Sprung in die Bundesliga schaffen und dem Bundestrainer noch weniger Alternativen zur Verfügung stehen. In England, wo es seit jeher vier Profiligen gibt, wird der Nachwuchs in einer eigenen Reserveliga gefördert, in der die Talente von Arsenal gegen die von Chelsea antreten. Eine solche Liga fehlt in dem Konzept von DFB und DFL noch. Dann gäbe es zwei gute Nachrichten im deutschen Fußball.

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