Sport : Eine Million – für alle

Den Golden-League-Jackpot verteilt Maria Mutola zu Hause

Jörg Wenig

Brüssel. Bei der Siegerehrung stand Maria Mutola in einem minutenlangen Silberregen. Die 30-jährige 800-m-Läuferin aus Mosambik hatte beim letzten der sechs Golden-League-Meetings zum sechsten Mal gewonnen und damit ein Novum geschafft: Zum ersten Mal knackte eine Athletin alleine den kompletten Jackpot der Golden League in Höhe von einer Million Dollar. Symbolisch bekam Maria Mutola in Brüssel einen Scheck überreicht. Auf das Geld muss sie aber noch eine Woche warten. Denn für die Gewinnerin des Jackpots ist der Start beim World Athletics Final am nächsten Wochenende in Monte Carlo obligatorisch.

Dort braucht Maria Mutola allerdings nicht mehr zu gewinnen. Insofern hat sie sich schon ein paar Gedanken gemacht, was sie mit dem Gewinn anfangen wird. „Ein Teil des Geldes wird in die Maria-Mutola-Stiftung fließen“, kündigte sie an. Die Stiftung fördert in ihrer Heimat Kinder und Jugendliche. Sie erhalten eine schulische Ausbildung und werden an die Leichtathletik herangeführt. „Einem 15-jährigen Mädchen“, erzählt Maria Mutola, „konnten wir zum Beispiel ermöglichen, in Eugene auf das Gymnasium zu gehen und dort zu trainieren.“ Es ist ein ähnlicher Weg, wie ihn Mutola einst selbst gegangen ist. Lange Zeit lebte sie in Eugene (USA), bevor sie nach Südafrika zog.

Doch das Golden-League-Meeting in Brüssel erlebte nicht nur aufgrund des Sieges von Maria Mutola eine Nacht der Läufer. Fünf Jahresweltbestzeiten wurden trotz des späten Saisonzeitpunktes von Mittel- und Langstreckenläufern erzielt. Vor rund 50 000 Zuschauern sorgte dabei einer für den Höhepunkt des Abends, der in dieser Saison einem großen Sieg bislang hinterhergelaufen war: Haile Gebrselassie.

Vor zehn Jahren gewann der inzwischen 30-jährige Äthiopier seinen ersten WM-Titel über die 10 000 Meter in Stuttgart. In Paris musste er sich vor zwei Wochen im Finale seinem Landsmann Kenenisa Bekele geschlagen geben. Doch in Brüssel meldete sich Haile Gebrselassie großartig zurück. Er gewann die 10 000 Meter in der drittschnellsten Zeit, die je gelaufen wurde, mit 26:29,22 Minuten. Nur er selbst bei seinem Weltrekord 1998 (26:22,75 Minuten) und der Kenianer Paul Tergat (Kenia/26:27,85) waren jemals schneller.

„Ich bin nicht überrascht über meine Zeit, ich wollte Weltrekord laufen“, sagte Gebrselassie. Sein schärfster Rivale, Bekele, war allerdings nicht bei dem Brüsseler Rennen dabei, sondern feierte in Addis Abeba seinen WM-Sieg. Dennoch ist Gebrselassie optimistisch, Bekele im nächsten Jahr schlagen zu können. „Ich werde wieder mehr für meinen Endspurt trainieren.“

Seine Marathonpläne hat er nun erst einmal verschoben. „Bei Olympia in Athen laufe ich die 10 000 Meter und vorher keinen Marathon“, sagte Gebrselassie, hinter dem der unbekannte Kenianer Nicolas Kemboi zur viertschnellsten je gelaufenen Zeit rannte. „Ich kannte ihn nicht. Aber in Kenia haben sie so eine Art Fabrik. Sie produzieren ständig neue Weltklasseathleten“, sagte Haile Gebrselassie.

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