Sport : Eine Niederlage, die gut tut

Der FC Bayern München hält sich mit einem 2:3 bei Real Madrid alle Chancen für das Rückspiel offen

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Reisen in den Süden dienen den Deutschen gerne als Stimmungsaufheller. Die Fußballspieler des FC Bayern München wollten gar ein ganzes Krisenbewältigungsprogramm daraus machen im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid. Das ist ihnen nicht ganz gelungen, aber sie haben eine Niederlage eingesteckt, die ihnen gut tut. Mit dem 2:3 vor 80 000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion hielten sich die Bayern alle Chancen offen für das Rückspiel am 7. März in München.

Zehn Minuten hielt die erste Hoffnung auf Ablenkung vom grauen Bundesliga-Winter, dann lag Real Madrid schon 1:0 vorne. Ruud van Nistelrooys Zuspiel erreichte beinahe rechtzeitig Raúl, der zwar nicht ausreichend Zeit hatte, um den Ball an Oliver Kahn vorbeizuschieben, aber immerhin, um den Münchner Torwart anzuschießen. Kahn wiederum hatte keine Zeit, den Ball festzuhalten und so landete der Ball noch einmal bei Raúl, der ihn präzise in die Lücke zwischen Kahn und Pfosten platzierte wie ein Minigolfspieler.

Es folgten ein paar einfallslose Angriffe und Standardsituationen der Bayern, ehe sie von den Spaniern eine Einladung zum Mitspielen erhielten. Denn nach einem Freistoß von Willy Sagnol irrten Reals Abwehrspieler orientierungslos durch den Strafraum. Ausgerechnet Fabio Cannavaro wollte sich auf einmal um Lucio kümmern, ein großer Fußballer, aber im Gegensatz zu Lucio kein groß gewachsener. Ohne nennenswerte Gegenwehr konnte Lucio daher den Ball zum Ausgleich ins Tor köpfen.

Der anschließende Jubel zeigte, was solche Tor den Bayern derzeit bedeuten. Die Münchner schrien sich gegenseitig ihre Erleichterung ins Gesicht, als seien sie gerade einem Abstieg entkommen. Sie wollten den Glauben an sich beschwören. Und: Hatten nicht auch die Madrilenen gerade Schwächen gezeigt, war nicht auch ihr Abwehrverhalten beim 1:1 Beleg größter Verunsicherung? Madrid schien nun wieder auf Augenhöhe, ein Leidensgenosse.

Doch die Münchner nahmen sich ein Beispiel an Real, denn kurze Zeit später schätzten auch sie die Größenverhältnisse im Strafraum falsch ein. Philipp Lahm schob bei einer Ecke Wache am hinteren Pfosten, als ein Kopfball von Helguera hineinsegelte. Auf einmal musste es Lahm mit Raúl aufnehmen. Das Kopfballduell verlor der Münchner, der Madrilene verpasste dem Ball mit dem Haupthaar noch einen Wischer – 2:1 für Real.

Eingeleitet hatte diese Situation – wie so viele an diesem Abend – David Beckham (siehe nebenstehenden Artikel). Kein Zeichen davon, dass er schon mit Madrid abgeschlossen haben könnte, dass er sich zuletzt selbst ins Abseits gestellt hatte wie am Wochenende in der Primera Division mit einer Roten Karte.

Noch sichtbarer war Beckham am dritten Tor der Madrilenen beteiligt. Sein Freistoß war ein Geschenk für einen Stürmer wie van Nistelrooy. Der brauchte ihn einfach nur ins Tor zu verlängern. Zu diesem Zeitpunkt, es waren noch zehn Minuten bis zur Halbzeit, deutete eigentlich nichts mehr auf ein Aufbäumen der Münchner hin. Wer auf dem Platz stand, den schien – vielleicht mit der Ausnahme von Kahn, van Bommel und Lucio – schon der Mut verlassen zu haben.

Also mussten Spieler den Mut zurückbringen, die nicht auf dem Platz standen. Trainer Ottmar Hitzfeld wechselte zur Halbzeit Hasan Salihamidzic für Martin Demichelis ein und nach einer Stunde Claudio Pizarro für Lukas Podolski. Zwischen beiden Einwechslungen lag von Münchner Seite aus wenig, von Madrilenischer immerhin ein grandioser Freistoß Beckhams den Kahn gerade noch an die Latte lenken konnte. Waren die Münchner in der ersten Halbzeit im Mittelfeld noch hoffnungslos unterlegen, eroberten sie sich in der zweiten ein paar Freiräume zurück gegen die immer passiveren Madrilenen. Das Etappenziel war greifbar nah: das Tor, dass aus einer harten eine erträgliche Niederlage machen würde. Beinahe hätte es Pizarro erzielt, doch er scheiterte knapp an Iker Casillas.

Doch dann gelang es kurz vor dem Ende Mark van Bommel, auf 2:3 zu verkürzen, und das ist gerade für die Fans von Real Madrid besonders schmerzvoll. Van Bommel hatte zuletzt noch für den Erzrivalen FC Barcelona gespielt. Nach seinem Tor zeigte er den Fans des Gegners die Faust. Die Aggressivität verflog bei den Münchnern jedoch gleich wieder. Der Treffer stimmte sie von jetzt auf gleich milde, und sie verließen den Platz mit einem sanften Lächeln.

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