Sport : Eine Niederlage, die keine ist

Die DEUTSCHEN DRESSURREITER verlieren zum ersten Mal seit 1976 – und sind glücklich mit Silber.

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Gut geritten! Dorothee Schneider
Gut geritten! Dorothee SchneiderFoto: dapd

London - Als der erste olympische Finalritt ihres Lebens geschafft war, kippte Helen Langehanenberg erleichtert nach vorne. Die 30-Jährige aus Havixbeck lag fast auf dem Rücken ihres Hengstes Damon Hill – und mit ihr lag da die Gewissheit, beim gemeinsamen Dinner der deutschen Dressurreiterinnen zumindest eine Silberplakette neben den Teller liegen zu haben. Theoretisch war in dem Moment sogar noch Gold für Langehanenberg und die Kolleginnen Kristina Sprehe und Dorothee Schneider möglich. Doch den Punktevorsprung auf die deutsche Equipe ließ sich Charlotte Dujardin, Großbritanniens letzte und zuverlässigste Starterin, nicht mehr nehmen.

Mit ihrem Wallach Valegro sicherte die 27-Jährige den Olympiagastgebern den zweiten Triumph im Greenwich Park. Die deutschen Dressurreiterinnen erlebten eine kleine Niederlage, die aber gar keine war. Schon gar nicht in den Augen von Jonny Hilberath. Mit Ausnahme der boykottierten Spiele in Moskau 1980 war seit 1976 jedes Mannschaftsgold in der Dressur nach Deutschland gewandert. Diese stolze Serie fand in London nun ihr Ende – doch die Antwort des Bundestrainers darauf war ein strahlendes Lächeln.

„Wir haben Silber gewonnen, das war ganz stark“, sagte Hilberath. Die heikelste Sekunde des Tages hatte der Bundestrainer verpasst. Als Kristina Sprehes Hengst Desperados einen ungeplanten Sprung nach vorne einlegte, stand Hilberath gerade bei Helen Langehanenberg. Es machte keinen Unterschied. „Die drei Damen, die heute hier angetreten sind, sind alle Olympianeulinge“, sagte der 57-jährige Bundestrainer. „Deshalb war das eine Glanzleistung dieser Mannschaft, die man so nicht erwarten konnte.“

Die Fotografen im mobilen Pressecontainer jedenfalls ließen begeistert die Kameras klicken, als Langehanenberg, Sprehe und Schneider ihnen lächelnd die drei Silbermedaillen vor die Linsen hielten. Den passenden Kommentar dazu lieferte die gebürtige Münsteranerin Helen Langehanenberg: „Wir haben alle eine großartige Zeit hier in London, und wir sind wirklich ein Team.“ Und, so die Reiterin mit der besten Wertung aus dem deutschen Trio weiter: „Wir sind alle jung, mit frischen Pferden, wir können stolz sein. Und wirklich, wirklich glücklich.“ Andreas Morbach

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