Sport : Eine Niederlage, die Mut macht

Nach dem schwachen 1:3 gegen die Niederlande glauben die deutschen Volleyballerinnen an eine Steigerung

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Von Helen Ruwald

Riesa. Zwei Euro sollten die Zuschauer in Riesa für ein Foto mit Casper, dem Maskottchen der Volleyball-Weltmeisterschaft der Frauen zahlen. Der Gesamtbetrag sollte an die Opfer der Flutkatastrophe, von der auch Riesa betroffen war, gehen. Doch schon vor dem Zwischenrundenspiel der Deutschen gegen die Niederlande gestern Abend wurde der Preis auf einen Euro gesenkt - kaum ein Fan hatte Interesse. Die Menschen in der Gasag Arena wollen nicht an die Flut erinnert sondern abgelenkt werden. Und feiern. Die Fans in Risa waren ähnlich ausgelassen wie die Zuschauer am Dienstag in Münster, als nur ein Sieg der Tschechinnen im letzten Vorrundenspiel gegen Japan das Ausscheiden der Gastgeberinnen verhindert hatte. „Mit der Erleichterung wird sehr viel Kraft frei. Riesa ist machbar“, hatte Spielführerin Beatrice Dömeland gesagt.

Gestern sah das nicht so aus. Das deutsche Team verlor gegen die Niederlande vor 4100 Zuschauern überaschend mit 1:3 (25:18, 26:28, 17:25,23:25). Dabei hatte sich Bundestrainer Lee Hee Wan die Niederlande im ersten Spiel gewünscht, sie galten als leichterer Gegner als Brasilien (heute 14.30 Uhr) und die USA (Sonntag, 17 Uhr). Die Veranstaltungsorte dürfen den Termin für eines der Spiele selbst bestimmen, etwa das vermeintlich spannendste auf den letzten Tag legen, um viele Zuschauer anzulocken. In Riesa verzichteten die Veranstalter zugunsten des Bundestrainers darauf. Doch Lee Hee Wans Taktik ging nicht auf. Nun ist ein Sieg gegen Brasilien ein Muss, um ins Viertelfinale einzuziehen. Die jeweiligen zwei Besten der drei Zwischenrundengruppen sind dafür qualifiziert, außerdem kommen die zwei besten Gruppendritten weiter.

Nach souverän gewonnenem ersten Satz führten die Deutschen auch im zweiten Durchgang, mit 11:8, den die Niederländerinnen aber mit 28:26 für sich entschieden. Die Gastgeberinnen vergaben durch Judith Sylvester und Sylvia Roll zwei Satzbälle, beide durch missglückte Aufschläge. „Unverständlich, dass man sowas aus der Hand gibt. Wenn wir 2:0 geführt hätten, hätten wir gewonnen“, haderte Beatrice Dömeland. Im dritten Durchgang konnten die Deutschen, hoch gelobter Weltcup-Dritter, nur bis zum 12:14 mithalten, dann brachen sie ein. Missglückte Angriffe, ungenaue Zuspiele und viel Unsicherheit ließen den Gegner davonziehen. Im letzten Durchgang kamen die Deutschen nach Einwechslung der Routiniers Sylvester und Dömeland, die lange auf der Bank saßen, zwar noch von 18:23 auf 23:23 heran, doch es reichte nicht.

„Das war mit Abstand unser schlechtestes Spiel bei dieser WM“, sagte Angelina Grün, „das macht Mut.“ Weil es nur noch besser werden kann. Zum Jubeln jedenfalls war gestern Abend niemandem mehr zu Mute, auch den Fans nicht.

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