Sport : Eine Niederlage ist keine Niederlage

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Stefan Hermanns über eine traumhafte Ausgangslage für den FC Bayern

Was macht ein verwöhntes Kind, das von seinem Großvater statt fünf Euro wie sonst immer ausnahmsweise nur zwei bekommt? Es wird schimpfen und heulen und „Du hast mich gar nicht mehr lieb!“ schreien. So wie Franz Beckenbauer, der am Mittwoch seinen Eindruck geäußert hat, die Champions League möge den FC Bayern wohl nicht. Och, du Armer!, möchte man Beckenbauer zurufen.

Sicher, für die BayernFans ist das schwer. Es sollen ja einige von ihnen am Donnerstag den Sportteil ihrer Zeitung gleich auf den Altpapierstapel gelegt haben, um bloß keinen flüchtigen Blick auf die Tabelle der Champions-League-Gruppe G zu werfen. Das muss nun wirklich nicht sein. Bayern München, Letzter, vier Spiele, drei Niederlagen. Soll man versuchen, die Bayern-Fans zu trösten? Ihnen sagen, dass der Schmerz vergeht? Sie werden es weder hören wollen, noch werden sie verstehen, was für Anhänger von Hertha, Schalke oder Gladbach eben irgendwie zum Fansein dazugehört: dass ihre Vereine leider auch mal verlieren.

Für die Bayern ist eine Niederlage nur die Vorbereitung eines noch größeren Sieges. Insofern sollten alle Bayern-Hasser mit ihrer Häme so lange warten, bis alles wirklich vorbei ist. Die derzeitige Situation ist nämlich wie gemalt für die Münchner. Noch eine Woche werden sie jetzt ihre Überzeugung kundtun, dass sie unter Druck immer schon am besten gespielt haben – und sich am Ende wieder in die Zwischenrunde geduselt haben. „Ach Opi“, wird Franz Beckenbauer dann sagen, „du bist eben doch der Beste.“

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