Sport : Eine Niederlage zum Comeback

André Görke

Perry Bräutigam wird in ein paar Wochen 39 Jahre alt. Andere Fußballspieler kicken in diesem Alter bestenfalls noch hin und wieder für die Traditionsmannschaften ihrer Klubs. Bräutigam ist Torhüter beim FC Hansa Rostock. Bundesligatorhüter. Der FC Hansa Rostock hat ihn im vergangenen Sommer überredet, noch ein Jahr dranzuhängen, als Ersatzkeeper, nur für den Notfall. Der ist jetzt eingetreten. Gestern Abend, bei Hansas 0:3-Niederlage bei Energie Cottbus, stand Bräutigam auf dem Platz. Stammtorhüter Mathias Schober fällt mit einer Schulterverletzung wohl noch für ein paar Monate aus. Weil die Transferliste geschlossen ist, wird Hansa die Saison mit Bräutigam im Tor beenden.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Erfahren ist der Keeper allemal. In jungen Jahren hat es Bräutigam in die Nationalmannschaft der DDR gebracht, 1990 stand er im Aufgebot für das erste Länderspiel des wiedervereinigten Deutschlands gegen die Schweiz. Und gestern in Cottbus, da hat Perry Bräutigam auch nichts falsch gemacht. Weil lange nichts zu tun war und er dann bei den Gegentoren keine Chance hatte. Rostock kickte besser, Cottbus arbeitete. Wenn der Rasen nach Abpfiff nicht aussieht wie nach einem Herbstmanöver der Bundeswehr, dann hat die Mannschaft etwas falsch gemacht. So schaffte Energie in der vergangenen Saison den Klassenerhalt. Werder Bremen und Hertha BSC haben die Cottbuser in diesem Jahr schon niedergekämpft. Jetzt also Rostock, im Derby der Ostklubs. So etwas ist noch wichtiger. "Die Rostocker haben vor dem Spiel so ein große Schnauze gehabt, die haben so viel Blödsinn erzählt", sagte Energies Mannschaftskapitän Christian Beeck. "Dieser Sieg, der geht uns jetzt runter wie Öl."

Nach einer halben Stunde waren die Cottbuser überraschend durch Beeck in Führung gegangen. Drei Minuten später erhöhte Spielmacher Miriuta auf 2:0, und Rostock verlor endgültig den Faden. Zwanzig Minuten vor Abpfiff erzielte Stürmer Topic sogar das 3:0. Rostocks Trainer Armin Veh war frustriert. "Wir haben es versäumt, in der ersten Halbzeit in Führung zu gehen. Eine bittere Niederlage für uns", sagte Veh. "Wir hätten uns von den Abstiegsplätzen absetzen können. Jetzt stecken wir wieder mitten drin." Bräutigam sei auch aus seiner Sicht an allen drei Gegentoren schuldlos gewesen. "Ein armer Kerl", sagte Veh. Neben ihm saß Eduard Geyer. Der Cottbuser Trainer kennt Bräutigam noch gut. Geyer war der letzte Trainer der DDR-Nationalmannschaft. Unter ihm hat Bräutigam noch drei Spiele gemacht.

Nächste Woche geht es für Energie Cottbus nach München. Zu den Bayern. Dann geht es gegen Schalke 04 und Bayer Leverkusen, gegen die Großen der Branche. "Ich kann mir das leider nicht aussuchen", maulte Eduard Geyer. "Aber wir haben da nichts zu verlieren." Sein Kapitän ging noch einen Schritt weiter: "Das wird das einfachste Spiel", sagte Christian Beeck. "Ganz Deutschland denkt doch: Wir kriegen da zehn Dinger. Und wenn wir so wie gegen Rostock spielen, könnte das auch bei den Bayern etwas werden." Allerdings ohne Christian Beeck. Der sah gestern gegen Hansa Rostock die fünfte Gelbe Karte und ist wie Vragel da Silva und Bruno Akrapovic für die Partie in München gesperrt.

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