Sport : Eine ovale Sache

Warum Radprofis den Nachwuchs finanzieren

Claus Vetter

Berlin - Alle vier Jahre wieder werden Medaillen gezählt, sagt Steffen Blochwitz. „Wenn Olympische Spiele sind, interessiert sich die deutsche Öffentlichkeit dafür, wie erfolgreich ihre Sportler sind.“ Der ehemalige Radprofi, 1988 Silbermedaillengewinner in Seoul auf der Bahn, hat damit kein Problem, sondern mit etwas anderem: „Was in den Jahren zwischen den Spielen passiert, interessiert weniger.“ Nachwuchsförderung sei eben kein interessantes Thema, obwohl es im Radsport eines sein müsste. Denn wenn in ein paar Jahren Jan Ullrich und Andreas Klöden ihre Karriere beenden, kann es der Sportart ähnlich ergehen wie dem deutschen Tennis: Das ist nach den Rücktritten der einstigen Superstars Boris Becker und Steffi Graf medial auch nicht mehr so präsent wie früher. Deshalb managt Blochwitz nun auch ein einmaliges Projekt im deutschen Radsport, das „Pro Olympia Team 2008“ – ein Projekt, das sich über Vereinsgrenzen hinaus um den Nachwuchs in Deutschland kümmert.

Das Außergewöhnliche ist, dass die Förderung von Radprofis unterstützt wird. 50 000 Euro stellen prominente Fahrer wie etwa Danilo Hondo, Andreas Klöden und Olaf Pollack pro Saison zur Verfügung. Natürlich mussten sie erst überzeugt werden. „Sie waren erst skeptisch und haben gefragt: Was nützt uns das?“, sagt Vermarkter Klaus-Jürgen Jahn. Er hatte die Idee für das „Projekt Team 2008“. „Ich habe den Profis gesagt, dass sie eine soziale Verpflichtung gegenüber der Jugend haben. Wenn nach euch im deutschen Profiradsport nichts mehr los ist, schadet das auch eurer Popularität.“

Sicher ist das Sponsoring auch durch alte Verbundenheit zustande gekommen. Die 14 geförderten Radfahrer kommen vor allem vom RSC und RK Cottbus – aus der Stadt, in der auch Hondos Karriere begann. Zudem habe das Projekt mit Michael Max einen der „kompetentesten Trainer“, sagt Pollack, 2004 Träger des Rosa Trikots beim Giro d’Italia.

Die Ziele des Teams 2008 sind denn auch eindeutig. In drei Jahren sollen die U-23-Fahrer, die dieses Jahr an etlichen wichtigen Straßenrennen teilnehmen und schon beim Berliner Sechstagerennen starteten, bei den Olympischen Spielen 2008 in China „zwei Medaillen holen“ (Marx). Beste Chancen sieht der Trainer auf der Bahn. Zudem sei das „der erste Schritt für eine Profikarriere“. Auch Danilo Hondo feierte auf dem Oval früher Erfolge. Heute ist er einer der besten Sprinter auf der Straße.

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