Sport : Eine Runde Geschichte

Mit dem Südafrikaner Oscar Pistorius startet erstmals bei einer WM ein behinderter Athlet

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Großer Lauf. Oscar Pistorius kann sich bei der WM erstmals mit den besten 400-Meter-Läufern der Welt messen. Foto: AP
Großer Lauf. Oscar Pistorius kann sich bei der WM erstmals mit den besten 400-Meter-Läufern der Welt messen. Foto: APFoto: dapd

Für Oscar Pistorius wird heute in Daegu ein Traum wahr und die Geschichte der Leichtathletik-WM erlebt eine Premiere. Zum ersten Mal startet ein Athlet mit Unterschenkelprothesen bei Titelkämpfen. Den naturgemäß deutlichen Leistungsunterschied zwischen behinderten und nicht behinderten Athleten hat der 24-jährige Südafrikaner in einmaliger Weise so weit reduzieren können, dass er sich nun mit den besten 400-m-Läufern der Welt messen kann. Pistorius wurde 1986 aufgrund eines Gen-Defektes ohne Wadenknochen geboren. Noch in seinem ersten Lebensjahr wurden ihm beide Unterschenkel amputiert, so dass er schon als Kleinkind mit Prothesen laufen lernte.

Im Juli schaffte Oscar Pistorius, der mit speziellen Carbon-Prothesen sprintet, die WM-Qualifikation. Dabei steigerte er sich in Lignano (Italien) um gut eine halbe Sekunde auf 45,07 Sekunden. Zum Vergleich: In Deutschland hätte Oscar Pistorius locker den nationalen Meistertitel gewinnen können. Der aktuelle Deutsche Meister, Jonas Plass, siegte im Juli in Kassel in 46,59 Sekunden.

„Ich habe so lange davon geträumt, bei einer großen Meisterschaft starten zu können. Deswegen ist das jetzt hier ein sehr stolzer Moment in meinem Leben“, sagte Pistorius. Das Finale ist unter normalen Umständen außer Reichweite für ihn. Ein Dutzend jener Konkurrenten, die in Daegu am Start sein werden, erreichten in dieser Saison bereits Zeiten von unter 45 Sekunden.

Bevor er sich sportlich für Olympische Spiele oder WM qualifizieren konnte, hatte Oscar Pistorius erst um sein generelles Startrecht kämpfen müssen. Denn für die WM 2007 in Osaka hatte der internationale Verband ( IAAF) ihn nicht zugelassen und ein Gutachten angefordert. Die Wissenschaftler der Sporthochschule Köln kamen zu dem Schluss, dass Pistorius durch seine federnden Prothesen einen Wettbewerbsvorteil haben würde. Daraufhin sperrte ihn die IAAF im Januar 2008 für ihre Wettbewerbe. Doch ein zweites Gutachten kam zu einem anderen Ergebnis. Die Wissenschaftler gingen hier davon aus, dass gewisse Vorteile durch Nachteile wie langsamere Startbeschleunigung sowie eine schwierigere Balance in den Kurven wieder wettgemacht werden. Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) entschied danach zugunsten von Oscar Pistorius.

Mit Blick auf die Spiele in London 2012 könnte die IAAF diese Entscheidung nochmals überprüfen. Nicht alle sind vom zweiten Gutachten überzeugt. In London würde Oscar Pistorius zunächst bei den Spielen und anschließend bei den Paralympics starten. Bei den Spielen der Behinderten gewann er in Peking 2008 alle drei Sprintmedaillen.

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