Sport : „Eine Runde ist schon ein Erfolg“

Fedcup-Teamchef Klaus Eberhard über das deutsche Damen-Tennis und die German Open in Berlin

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Herr Eberhard, wann haben Sie zuletzt mit Anca Barna gesprochen?

Nach dem FedcupSpiel in Djakarta.

Das war im Juli des vergangenen Jahres.

Eigentlich möchte ich zu diesem Thema gar nichts mehr sagen. Es ist erledigt. Für meinen Geschmack wurde die Geschichte auch viel zu hoch gespielt.

Barna hat 25 000 Euro für einen Einsatz im Fedcup gefordert. Wie empfinden Sie das?

Als völlig unrealistisch. Mich hat es auch ein bisschen überrascht, weil es ja hieß, sie wolle unter meiner Führung nicht mehr spielen. Das eine passt nicht zum anderen.

Werden Sie das Turnier in Berlin nutzen, um mit Barna zu sprechen und sie zu einer Rückkehr ins Fed-Cup-Team zu bewegen?

Dieser Schritt muss von ihr kommen. Sie muss zeigen, dass sie spielen will. Ich sehe das sehr gelassen. Ich würde nie sagen: Sie spielt nicht mehr. Aber ich sehe auch keine Veranlassung, von mir aus zum jetzigen Zeitpunkt etwas zu unternehmen.

Sehen Sie sich ihre Spiele in Berlin an?

Auf jeden Fall.

Unter welchen Umständen könnten Sie am Ende der Woche sagen: Die German Open waren ein Erfolg fürs deutsche Damen-Tennis?

Wenn eine Spielerin eine Runde übersteht.

Das ist sehr bescheiden…

… aber bei den aktuellen Weltranglistenplatzierungen rational betrachtet das Limit, das wir erreichen können. Zwei Runden wären natürlich besser.

Wem trauen Sie das am ehesten zu?

Von der Rangliste her natürlich Anca Barna. Aber auch die anderen deutschen Spielerinnen können ein Spiel gewinnen. Und wer weiß: Vielleicht würde dadurch eine gewisse Euphorie aufkommen.

Wo steht das deutsche Damen-Tennis im Vergleich zum vorigen Jahr?

Ich glaube nicht, dass sich viel verändert hat. Marlene Weingärtner, die vor einem Jahr auf Platz 50 stand, und das meiner Ansicht nach völlig zu Recht, ist durch eine Verletzung wieder zurückgeworfen worden. Das hat sich verschlechtert. Sonst aber tritt das deutsche Damen-Tennis mehr oder weniger auf der Stelle. Mit einem Lichtblick. Das ist Anna-Lena Groenefeld, die in der Weltrangliste im vergangenen Jahr mehr als 200 Plätze gutgemacht hat. Insofern glaube ich, dass wir uns sogar ein bisschen verbessert haben.

Groenefeld gilt inzwischen als große Hoffnungsträgerin. Ist sie dem Druck gewachsen?

Dadurch, dass sie die meiste Zeit in den USA trainiert, bekommt sie die Erwartungen in Deutschland gar nicht so sehr mit. Aber sie ist ohnehin ein Mädchen, das mit Druck gut umgehen kann. Trotzdem: Man sollte nicht alles auf sie konzentrieren. Es gibt auch noch ein paar andere Spielerinnen, die das Potenzial haben, unter die ersten 100 zu kommen.

An wen denken Sie?

An Julia Schruff zum Beispiel. An Stephanie Gehrlein. Auch Martina Müller oder Bianka Lamade, die zwar in der Weltrangliste etwas zurückgefallen sind, aber auch erst 21 oder 22 sind, können wieder zurückkommen.

Manche hatten sich erhofft, dass es für Groenefeld schneller nach oben geht.

Die Entwicklung verläuft nie geradlinig, sondern eher treppenförmig. Anna-Lena hat im vorletzten Jahr in der Jugend einen Riesensprung gemacht. Anschließend hat sie einige Monate stagniert, bevor es auch bei den Senioren plötzlich nach vorne ging. Aber die Punkte, die sie vor einem Jahr gewonnen hat, muss sie jetzt erst mal verteidigen. Im August, September traue ich ihr wieder einen größeren Satz zu. Das wäre die logische Entwicklung. Aber vielleicht überrascht sie uns ja auch, und es geht alles viel schneller.

Welche Rolle spielen die German Open für die Entwicklung der deutschen Talente?

Das Turnier ist immens wichtig. Wer hier besteht und ein, zwei Runden gewinnt, zeigt, dass er sich mit der Weltklasse messen kann. Außerdem sind die German Open das letzte Turnier, das der Deutsche Tennis-Bund ausrichtet. Also auch das einzige, bei dem wir die Wildcards vergeben. In diesem Jahr sind dadurch neun Spielerinnen ins Hauptfeld oder in die Qualifikation gekommen.

Sorgen Sie sich um die Zukunft des Turniers?

Zu den finanziellen Problemen kann ich nichts sagen. Ich weiß, dass es schwierig ist. Aber ich gehe davon aus, dass wir das Turnier behalten. Ich hänge auch persönlich sehr daran. Seit 1980 bin ich Mitglied bei Rot-Weiß, ich wohne 500 Meter von der Anlage entfernt. Es ist sozusagen das einzige Turnier vor meiner Haustür.

Das Gespräch führten Stefan Hermanns und

Benedikt Voigt.

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