Sport : Eine Sache des Herzens

Boxprofi Henry Maske quält sich für sein Comeback

Hartmut Scherzer

Frankfurt (Oder) - Es blitzte wie vor 123 Monaten. Mittendrin im Gewitter und Gedränge von knapp hundert Medienmenschen Henry Maske und Manfred Wolke. Wie im Herbst 1996 vor dem letzten Hurra der Boxikone gegen Virgil Hill. „Ein bisschen Pressetraining“, nannte Trainer Wolke die gut halbstündigen Übungen, zu der mittags Werner Hinz, der Veranstalter von Maske gegen Hill, Teil zwei, geladen hatte.

Derartige Trainingsvorführungen für die Medien sind nur Spielerei. Das Ambiente riecht nicht nach Schweiß. Das neue, für 150 000 Euro in drei Monaten erbaute Wolke-Camp ist ein Flachbau mit zwei Boxringen, vier Sandsäcken, einer Höhenkammer und einem blauen Veloursteppich, der den Besucher beim Betreten zögern lässt: Muss ich die Schuhe ausziehen? An den Wänden hängen zwei einfache Plakate mit dem schlichten Hinweis: „Maske vs Hill“. Keine Fotos. Kein Brimborium. „Die Revanche“ darunter ist so klein gedruckt wie das Datum: 31.03.07. Noch kleiner und kaum lesbar: Olympiahalle München.

Wie es in der neuen Boxhalle in Frankfurt (Oder) wirklich zugeht, wie hart Henry Maske wirklich schuftet, wie erstaunlich fit er sieben Wochen vor der Revanche für die knappe Punktniederlage am 23. November 1996 gegen Hill wirkt, war tags zuvor zu beobachten. Da scheint es, als hätte Maske die Zeit um eine Dekade zurückgedreht, was die Intensität, Konzentration und Ausdauer seiner Trainingsleistung betrifft. Gut: Die Anstrengung im Gesicht kann die 43 Jahre nicht kaschieren. Aber wenn Henry Maske mit dem Handtuch um die Hüfte von der Dusche zur Kabine huscht, wirkt sein austrainierter, sehniger, muskulöser Körper mit Waschbrettbauch wie vor 15 Jahren, wie geschaffen für das Cover eines Fitnessmagazins, zum Neid der Männer.

Knapp zwei Stunden unterwirft sich Maske jeden Nachmittag dem strengen Diktat seines väterlichen Trainers: vier Aufwärmrunden, sieben Sparringsrunden mit dem amerikanischen Halbschwergewichtler Berry Butler, sieben Runden am Sandsack (Wolke: „Das Gerät ist der Gegner“), einige mit Gewichtsmanschetten am Handgelenk. Immer im gleichen Tempo, mit der gleichen Schlaghärte und -frequenz an der Seite der jüngeren Kollegen Rene Dettweiler (22) und Danilo Häusler (31).

„Es liegen noch sieben harte Trainingswochen vor mir“, keucht Maske. „Hartes Training ist die Basis.“ Auf die Standardfrage nach dem Motiv, sich das alles als wohlhabender Geschäftsmann noch anzutun, findet Maske im Grunde genommen keine plausible Erklärung. „Das hat nichts mit dem Kopf zu tun. Das ist eine reine Sache des Herzens.“

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