Sport : Eine Saison wie im Fluge

Die Eisbären Bremerhaven wollen gegen Albas Basketballer weiter überraschen

Benedikt Voigt

Berlin - Am Samstagvormittag hat der Basketballklub Eisbären Bremerhaven eine weitere Premiere erlebt. Die Spieler bestiegen auf dem Regionalflughafen in Bremerhaven eine Chartermaschine mit 20 Plätzen und flogen nach Berlin. „Das ist kein Luxus“, erklärt Eisbären-Manager Jan Rathjen, „in den Play-offs ist die Zeit knapp, da wäre eine Busreise nicht machbar.“ Auf diese Weise wird die ohnehin ungewöhnliche Saison des Aufsteigers um eine weitere Erfahrung bereichert.

Die freudigen Erlebnisse wollen für Bremerhaven kein Ende nehmen. Heute in der Max-Schmeling-Halle (18 Uhr) beginnt für den Liganeuling das erste Halbfinalspiel gegen Alba Berlin. Die Serie wird nach dem Modus „Best of five“ ausgetragen – wer drei Spiele gewonnen hat, steht im Finale um die deutsche Meisterschaft. „Wenn mir vor der Saison einer gesagt hätte, dass wir ins Halbfinale kommen, hätte ich sehr viel Geld dagegen gesetzt“, sagt Rathjen. Bremerhaven hatte die reguläre Saison auf Rang vier beendet und diesen Platz durch den Sieg im Viertelfinale gegen die Artland Dragons (3:2 nach Siegen) bestätigt. Und hofft auf mehr. „Wir haben Riesenrespekt vor Alba, aber wir spielen, um zu gewinnen“, sagt Rathjen.

Die drei Saisonspiele gegen Alba machen dem Manager Mut. Im November ist den Eisbären als bisher einzigem Bundesligaverein in dieser Saison das Kunststück gelungen, Alba in eigener Halle zu besiegen. „Das hat uns mehr Selbstvertrauen gegeben“, sagt Rathjen. Zumal beim 75:73 Centerspieler Darren Fenn fehlte, der mit 17,9 Punkten in der regulären Saison Topscorer der Eisbären war. Die Heimspiele hat Bremerhaven unglücklich verloren: 64:67 und 69:71. „Das hatte auch andere Gründe“, sagt Rathjen. Ein umstrittener Pfiff hatte das Pokalspiel entschieden.

Den wichtigsten Anteil am Erfolg Bremerhavens besitzt Trainer Sarunas Sakalauskas. Der Litauer kam vor fünf Jahren zum damaligen Zweitligisten, mit ihm hielten die Siege Einzug in die Stadt. „Er lebt Basketball“, sagt Rathjen, „er genießt als Persönlichkeit einen großen Respekt in der ganzen Stadt.“ Experten wählten Sakalauskas nach Abschluss der Hauptrunde zum Trainer des Jahres in der Basketball-Bundesliga. Der 45-Jährige hat bei der Auswahl der Spieler ein gutes Gespür bewiesen. Sechs Amerikaner, drei Litauer, ein Israeli und zwei Deutsche bilden das Überraschungsteam der Liga, das mit 1,3 Millionen Euro zusammengekauft wurde. Inzwischen liegt der Etat dieser Spielzeit jedoch über der Vorgabe, genauer möchte Rathjen nicht werden. Neben Fenn ragten in der regulären Spielzeit die Amerikaner Nick Jacobsen (14,8 Punkte), Brian Jones (11,1 Punkte) und Charles-Judson Wallace (10,7 Punkte und 7,1 Rebounds) heraus. Hinzu kommt der lange Flügelspieler Evaldas Jocys.

Inzwischen sind die Erfolge der Eisbären zum Stadtgespräch geworden. „Es gibt einen Basketballhype in Bremerhaven“, sagt Rathjen. „wir leisten einen Beitrag zur Aufbruchstimmung in unserer Stadt.“ Bremerhaven kämpft mit einer hohen Arbeitslosenquote und mit Strukturproblemen. Da helfen sportliche Erfolge dem Selbstbewusstsein. Der Einzug ins Finale als Aufsteiger könnte die Stimmung in der Stadt noch steigern, einen neuen Eintrag in die Basketball-Geschichtsbücher brächte es aber nicht. Den Telekom Baskets Bonn ist das bereits 1998 gelungen.

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