Sport : Eine schrecklich mächtige Familie

Die Haselbachers regieren den Eisbären-Gegner Hannover

Claus Vetter

Berlin. In Mellendorf ist die Eishockey-Welt wieder in Ordnung. Die Fans können wieder in ihrem „Ice House“ über erstklassige Checks jubeln. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) ist zurück im Dorf in der Wedemark, einem Landstrich nahe Hannover. Seit Jahren hat hier die Familie Haselbacher ihren Provinzklub fest in der Hand. Vater Jochen als Chef, Mutter Christiana kocht für die Spieler, Sohn Eric ist Manager und Stadionsprecher. Doch die Familienidylle in der Wedemark hat Risse bekommen.

Vor ein paar Jahren benannte Papa Haselbacher seinen Klub von Wedemark Scorpions in Hannover Scorpions um. Wegen der Expo 2000 stand eine neue Mehrzweckhalle zur Verfügung. Also raus aus der nicht mal 4000 Zuschauer fassenden Bruchbude Mellendorf und rein in die Preussag Arena mit den blauen Polstersesseln. Der erste Test war ein Erfolg. Im Frühjahr 2001 sahen 11 000 Fans die Scorpions gegen Mannheim im Halbfinale der Play-offs. Der Umzug war beschlossen. Trotz schlechter Leistungen stieg der Zuschauerschnitt von 2600 auf 5600 pro Partie. Doch Haselbacher sah keinen Profit, es folgte ein langer Streit mit den Betreibern der Preussag-Arena. Schließlich zogen die Scorpions wieder zurück in die Provinz. Dort kann Haselbacher sein Team auf dem Lande besser finanzieren. In Mellendorf dürfen alle mit anpacken, die Fans verpassten der mickrigen Eishalle vor der Saison sogar einen neuen Anstrich. Und der Einsatz von ehrenamtlichen Helfern und die Bereitstellung von Feuerwehr und Sanitätskräften zum symbolischen Preis sparen viel Geld.

Dennoch werden drei Heimspiele in der Preussag-Arena ausgetragen. „Natürlich ist es für uns großartig, im liebevoll renovierten Ice House zu spielen“, sagt Haselbacher. „Aber es gibt auch viele Fans, die gerne in der Arena waren. So kommen doch alle auf ihre Kosten.“Eine rührige Geschichte, die aber kein Happy End haben wird. Und das nicht nur, weil der heutige Gegner der Berliner Eisbären (18.30 Uhr, Sportforum) mit den bisher gezeigten Leistungen sicher kein Kandidat für die Play-offs ist. Andernorts wird, wie in Köln oder Hamburg, in große Arenen umgezogen. Die DEL hat dem Klub nur bis Saisonende gestattet, im alten Ice House zu spielen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die DEL-Gesellschafter dem noch mal zustimmen werden,“ sagt Andreas Ulrich, Medienchef der DEL. Für die Scorpions gibt es ohne Hannover wohl keine Zukunft in der DEL.

Dafür geht es in Hannover ohne die Scorpions: Am Freitag sahen im Stadion am Pferdeturm 3200 Zuschauer das Oberligaspiel der Hannover Indians gegen die Berlin Capitals. Zum DEL-Spiel in Mellendorf zwischen den Scorpions und den Hamburg Freezers kamen zeitgleich 400 Menschen weniger.

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