Sport : Eine schrecklich schnelle Familie

Der Brite Alistair Brownlee gewinnt Gold im TRIATHLON, für seinen Bruder Jonathan reicht es nach einer Zeitstrafe noch für Bronze.

von
Habe die Ehre! Javier Gomez (links) gratuliert dem im Ziel kollabierten Alistair Brownlee zum Olympiasieg. Foto: dpa
Habe die Ehre! Javier Gomez (links) gratuliert dem im Ziel kollabierten Alistair Brownlee zum Olympiasieg. Foto: dpaFoto: dpa

Jan Frodeno klappte einfach zusammen. Er sank auf die weiche Matte wie eine Marionette, der man die Fäden abgeschnitten hat. Dann lag er, der Olympiasieger von 2008, auf dem Rücken, der Oberkörper bebte. Man konnte es seinem verzerrten Gesicht nicht ansehen, aber er fühlte sich in diesem Moment überaus glücklich. Sechster, für mehr reichte es nicht. Platz sechs im Triathlon, das war für den 31-Jährigen aus Saarbrücken an diesem Tag das Maximum. „Ich bin happy, weil ich alles gegeben habe, mehr war einfach nicht drin“, sagte Frodeno später.

Steffen Justus war weniger glücklich. Er hatte einen Platz unter den Top Fünf angepeilt, sein Verband hatte sogar von einer Medaille gesprochen. Aber im Wasser verlor er knapp vor der Boje den Anschluss an die Gruppe „mit den Jungs“. Damit meinte er vor allem die Brüder Jonathan und Alistair Brownlee, die Favoriten aus Großbritannien. Alistair Brownlee holte Gold, sein Bruder Bronze. Auf Platz zwei landete der Spanier Javier Gomez.

Frodeno hat eine harte Zeit hinter sich. Er war lange verletzt, er hatte seinen ersten Saisonstart im Juni, niemand erwartete, dass er in Medaillennähe kommen würde. Aber im Serpentine Lake im Hyde Park hielt er zunächst sehr gut mit. Das Problem begann, als er es lange nicht schaffte, sich aus seinem Schwimmanzug zu schälen. „Unglaublich“, sagte er. Den Rückstand holte er zwar auf dem Rad wieder auf, aber letztlich nützte das nichts.

Diesen Triathlon bestimmte dann bald nur noch Alistair Brownlee. Sein Bruder Jonathan, der lange in der Führungsgruppe lag, musste in eine Box, wo er in die Gegend starrte, während er 15 Sekunden lang herumstand. Eine Strafe dafür, dass er sich zu früh aufs Rad geschwungen hatte. „Ein Blödsinn ist so eine Strafe“, schimpfte Jan Frodeno. „Durch so eine Lappalie kann man eine Medaille verlieren.“ Jonathan Brownlee sicherte sich immerhin noch Bronze, im Ziel kolabierte er allerdings.

Eigentlich ist die Geschichte dieses Triathlons auch die Geschichte der Brüder Brownlee. Sie haben Triathlon in ihrer Heimat unglaublich populär gemacht. Alistair Brownlee gewann 2009 die WM-Serie. Seit 2009 hat er auch bei elf von 15 WM-Rennen triumphiert. Jonathan Brownlee war zweimal Sprint-Weltmeister und hatte 2012 die ersten beiden Rennen der WM-Serie gewonnen. Ihre Gesichter hängen auf riesigen Werbeplakaten in London, sie bieten zudem genug Stoff für die interessanten Geschichten. Sie hängen zusammen wie Pech und Schwefel, und ihr größter Traum ist es, bei Olympia mal gemeinsam und absolut zeitgleich als Sieger über die Ziellinie zu laufen. Konsequenterweise teilen sie sich auch dieselbe Wohnung. Als Alistair wegen einer Verletzung kaum trainieren konnte, sich deshalb im Garten einen Swimmingpool bauen lassen wollte und darüber Streit mit seinen Nachbarn bekam, war das gleich ein Medienthema. Alistair Brownlee wollte wenigstens Aqua-Fitness machen, der Streit zog sich hin, am Ende strampelte der Triathlet doch im eigenen Garten durchs Wasser.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben