Sport : Eine Serie hat keinen Lauf

Beim Golden-League-Meeting in Paris fehlen die Stars

Jörg Wenig[Paris]

Von einem „Matchball“ hatte die französische Sportzeitschrift „L’Equipe“ am Freitag geschrieben. Kein anderer der Kandidaten um die Olympischen Spiele 2012 hatte das Glück, fünf Tage vor der IOC-Entscheidung ein Golden-League- Meeting austragen zu können und damit mit einer olympischen Kernsportart die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch bei dem Leichtathletik-Sportfest im Stade de France erfüllten sich vor der stimmungsvollen Kulisse von rund 70 000 Zuschauern nicht alle Hoffnungen der Pariser Veranstalter. Verwandelt wurde der Matchball aber nicht.

Gesetzt hatten die Franzosen vor allen auf Kenenisa Bekele. Der Äthiopier wollte beim Golden-League-Auftakt seinen eigenen, vor einem Jahr aufgestellten 5000- Meter-Weltrekord von 12:37,35 Minuten brechen. Nach einem Fehlstart und einem weiteren abgebrochenen Start ging das Feld schließlich auf die Distanz. Doch am Ende reichte es nicht für Bekele. Mit 12:40,18 Minuten erzielte er allerdings die viertbeste je gelaufene Zeit über die 5000 Meter. Er selbst war nur beim eigenen Weltrekord in Hengelo schneller.

„Dieses Stadion hat eine besondere Bedeutung für mich, denn hier wurde ich vor zwei Jahren über 10 000 Meter Weltmeister und habe über 5000 Meter eine Bronzemedaille gewonnen. Ich wollte den Weltrekord brechen, aber es war ein bisschen zu windig und zu kalt“, erklärte Bekele. „Ich werde mich bei der WM auf die 10 000 Meter konzentrieren.“ Dass sich Kenenisa Bekele überhaupt wieder in einer derart starken Form präsentiert, ist erstaunlich. In der Hallensaison wirkte er Anfang Januar außer Form und gewann keines seiner zwei Rennen. Ende März meldete er sich dann bei der Cross-WM mit einem Doppeltriumph zurück, und nun bewies er bei Meetings in Hengelo im Mai, wo er die 10 000 Meter gewann, und in Paris seine Ausnahmestellung.

Allerdings fehlte beim Pariser Weltrekordversuch der Mann, den Kenenisa Bekele fürchtet. Abraham Chebii hatte keine Startberechtigung erhalten. Vor zwei Jahren hatte der Kenianer hier Haile Gebrselassie (Äthiopien) über 5000 Meter geschlagen. Eine Woche später siegte er in Rom sowohl gegen Gebrselassie als auch Bekele. Seitdem scheint Bekele so großen Respekt zu haben vor Abraham Chebii, dass er die Veranstalter beeinflusst, um Chebii nicht am Start zu haben. Das hat in Paris funktioniert.

Kenenisa Bekele wird nicht die komplette Golden-League-Serie laufen. Damit fällt er aus dem Wettlauf um die eine Million Dollar im Jackpot. Auch 100-Meter-Sieger Aziz Zakari (Ghana), der in Paris in 10,04 Sekunden gewann, wird keine Chance haben. Im Stade de France fehlten der neue Weltrekordler Asafa Powell (Jamaika) und sein schärfster Rivale, Olympiasieger Justin Gatlin (USA). Beide werden aber nächsten Freitag in Rom am Start sein. Beim Blick auf die Siegerliste des Pariser Meetings bleiben nur wenige Athleten übrig, denen man echte Jackpot-Chancen einräumen könnte. Zu ausgeglichen besetzt sind die Disziplinen. Die besten Aussichten hat vermutlich die russische Dreispringerin Tatjana Lebedewa, die im Stade de France mit 15,11 m gewann und dabei eine von vier Jahresweltbestmarken aufstellte.

Angesichts dieser Situation werden sich die Spekulationen um Veränderungen in der Golden League fortsetzen. Um anderen Meetings eine Chance zu geben, ist wieder von einer Auf- und Abstiegsregelung die Rede. Vielleicht kommt es auch zur Erweiterung auf zehn Meetings und einem Verzicht auf die derzeitige Jackpot-Regelung.

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