Sport : Eine Stufe höher

Borussia Dortmunds Präsident Reinhard Rauball will Chef der Deutschen Fußball-Liga werden

Felix Meininghaus[Dortm]

In den fast 30 Jahren, in denen sich Reinhard Rauball Meriten als Sportanwalt, Fußballfunktionär und Politiker erwerben konnte, hat er es gelernt, sich jederzeit eloquent und politisch korrekt zu verhalten. Und deshalb ist es dem 60-Jährigen auch gar nicht recht, wenn er Details zu der von ihm angestrebten Position preisgeben soll: „Sie müssen verstehen, dass ich derzeit nur die Eckdaten nennen kann und nicht mehr. Das verbietet der Respekt vor den handelnden Personen.“

Also die Eckdaten: Rauball, der seit November 2004 seine dritte Amtszeit als Präsident von Borussia Dortmund erlebt, will sich bei der Vollversammlung am 6. und 7. August zum neuen Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wählen lassen. Seit Werner Hackmann am 27. Januar gestorben ist, wird das Amt von Wolfgang Holzhäuser (Bayer Leverkusen) und Peter Peters (Schalke 04) kommissarisch geleitet. „Ich werde kandidieren“, sagt Rauball, „und, wenn ich die Mehrheit der Stimmen bekomme, dieses Amt natürlich antreten.“

Rauball gilt seit jeher als umtriebiger Funktionär. In seiner ersten Amtszeit beim BVB von 1979 bis 1982 war er mit 32 Jahren jüngster Präsident der Bundesligageschichte. Auch in den Jahren 1984 bis 1986 führte er den Traditionsverein und rettete ihn als Notvorstand vor dem Konkurs. Noch schlimmer sah es Ende 2004 aus, damals hatte der Champions-League-Gewinner von 1997 den Rekord-Schuldenberg von 119 Millionen Euro angehäuft. Zusammen mit den beiden Geschäftsführern Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß gelang es, den Sanierungskurs einzuleiten und den drohenden Kollaps abzuwenden. Dreimal ist Rauball beim BVB in schwierigen Zeiten eingestiegen, dreimal gelang es ihm, den Klub seines Herzens in ruhige Fahrwasser zu geleiten.

Reinhard Rauball stand auch als Jurist oft im Fokus der Öffentlichkeit: Er vertrat unter anderem die Leichtathletin Katrin Krabbe in einem der spektakulärsten Dopingfälle der deutschen Sportgeschichte. Die Dressur-Olympiasiegerin Nicole Uphoff gehörte ebenso zu seinem Klientel wie der Boxer Graciano Rocchigiani und zahlreiche Bundesligatrainer, die entlassen worden waren. Derzeit vertritt er den holländischen Leichtathletik-Manager Jos Hermens, gegen den die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt, weil er an einem Doping-Netzwerk beteiligt gewesen sein soll.

Die politische Karriere Rauballs lässt sich rascher protokollieren: Am 1. März 1999 berief NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement das SPD-Mitglied als Justizminister in sein Kabinett. Bereits am 8. März 1999 trat Rauball zurück, weil ein Disziplinarverfahren auf ihn wartete. Er hatte es als Notar versäumt, sich ein Aufsichtsrats-Mandat genehmigen zu lassen. Damit war er zum am kürzesten amtierenden NRW-Minister geworden. Seiner Reputation hat es nicht geschadet.

Das Amt des DFL-Präsidenten hält Rauball für „eines der interessantesten und wichtigsten im deutschen Fußball“. Die DFL präsentierte bereits eine Studie der Personalberatung Korn/Ferry präsentiert, die nach einem Idealbild des künftigen Präsidenten forschen sollte. „Wir haben nun das Bild eines Liga-Präsidenten, wie es sich die Vereine vorstellen“, sagte Wolfgang Holzhäuser. Zwei Mitglieder des Vorstandes und Geschäftsführer Christian Seifert sollen den Kandidaten bis Anfang Juli finden. „Es wäre schön, wenn es nur einer wäre, ich mag keine Kampfkandidaturen“, sagt Holzhäuser. Rauball hätte sicher auch nichts dagegen, wenn er der einzige Kandidat wäre.

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