Sport : Eine Stute namens Big Tits

Ein französisches Pferd soll in England Galopprennen gewinnen – doch am Namen stört sich manch britischer Gentleman

Ingo Wolff

So kennen wir die Engländer: Sie sind prüde, aber immer ganz Lady oder Gentleman. Und wenn es zum Pferderennen geht, tragen sie Hut oder Zylinder. Es gibt wenige Orte, wo sich das gute alte Großbritannien noch so prima beobachten lässt wie in Ascot. Doch ausgerechnet im letzten Refugium für konservative Briten sorgt eine dreijährige Stute derzeit für Aufruhr. Nicht, weil sie auf den Galopprennbahnen wahnsinnig schnell läuft. Nein, ihr Name stört das Empfinden der Briten: Die Stute heißt Big Tits. Übersetzt heißt das „Große Titten“. Darf so ein Pferd starten?

Nein, würden die Engländer gern sagen. Aber das geht nicht. Denn das Pferd stammt aus Frankreich, und weil es dort bereits Rennen gelaufen ist, dürfen die Engländer ihm nicht den Start verweigern. Noch ist zwar nicht klar, wann Big Tits starten soll, die Engländer im britischen Jockeyklub regen sich aber vorsorglich schon mal auf.

Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn das Pferd zur Topform aufläuft und dann auf dem heiligen Turf beim Royal Ascot starten soll. „Und der Sieger heißt: Big Tits“, würde der Sprecher rufen. Die Königin müsste dem siegreichen – französischen – Besitzer gratulieren und diese grauenvollen Wörter vielleicht auch noch in den Mund nehmen.

Ursprünglich sollte die Stute Gros Nichons heißen. Big Tits auf Französisch eben. Nicht viel besser, aber außerhalb Frankreichs hätte das nur wenige gestört. Doch der Name missfiel dem französischen Verband. Also wurde das Pferd auf die englische Variante registriert. Am glücklichsten darüber war der Sohn des Trainers Elie Lellouche. „Wir saßen beim Mittagessen und haben einige Ideen ausgesprochen. Da fiel meinem Sohn Gros Nichons ein“, erzählt der Franzose. „Uns war klar, dass das nicht akzeptiert werden würde, und deshalb haben wir das englische Äquivalent gewählt.“

Normalerweise werden Namen, die abfällig oder vulgär klingen, vom britischen Jockeyklub zurückgewiesen. Auch Pferdenamen, die woanders registriert werden, überprüft der Verband. Deshalb sind in England Namen wie Amazing Bust (Gigantische Brust) durchgefallen. Doch gelegentlich rutschen Pferde durch wie Tuls Ytsan (von hinten gelesen wird aus dem Zungenbrecher eine „Garstige Schlampe“). Auch Big Tits wurde zunächst übersehen. Da die Stute aber bereits in Frankreich gelaufen ist, müssen die Briten das Pferd auf ihren Bahnen akzeptieren. Ein Verbandssprecher betonte jedoch, dass Big Tits noch nicht auf Englands Bahnen gesichtet wurde. Ein Wettschein bekäme schnell Sammlerwert.

Amüsant wäre ein Treffen mit Manfred Chapman. Der 56-jährige Rennbahnsprecher feuerte den deutschen Derby-Sieger Samum einst an: „Eine Explosion, eine Explosion, Samuuuum“. Oder: „Erst ist es ein Wind, dann ein Sturm, und jetzt ist es ein Orkan.“ Was würde er erst sagen, wenn Big Tits läuft?

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