Sport : Eine tragische Geschichte. Stimmen zu den Doping-Vorwürfen gegen Baumann

Till Lufft (Generalsekretär des Europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA): "Persönlich kann ich mir das nicht vorstellen. Ich kenne Dieter Baumann persönlich und war und bin überzeugt, dass es undenkbar ist wegen seiner ganzen Verhaltensweise und wie er sich intellektuell dazu geäußert hat. Sollte es sich erhärten und ein Dopingverstoß sein, wäre es eine persönliche tragische Geschichte. Aber es wäre auch ein Beweis, dass das Kontrollsystem greift."

Walther Tröger (NOK-Präsident): "Es ist fast unglaublich, dass Baumann so etwas passiert ist. In der Öffentlichkeit ist das eine schlimme Sache, gerade bei jemanden, der immer gegen Doping gekämpft hat. Es fällt mir schwer zu glauben, dass Dieter Baumann wirklich, absichtlich und wissentlich Doping-Mittel eingenommen hat. Aber auch er muss, wie er selbst immer wieder gefordert hat, die Schuldvermutung einer positiven Probe gegen sich gelten lassen."

Thomas Bach (Deutsches Mitglied der IOC-Exekutive): "Ich habe Vertrauen in das Kontroll- und Rechtssystem. Man sollte nicht vorverurteilen oder entschuldigen, sondern das Verfahren abwarten. Tatsache ist, wenn verbotene Substanzen im Körper gefunden werden, liegt ein Verstoß gegen Doping-Regeln vor. Unser Rechtssystem gewährleistet es, dass auf die Umstände des Einzelfalls geachtet werden muss."

Manfred von Richthofen (Präsident des Deutschen Sportbundes): "Ich empfinde es als eine erschreckende Meldung, hoffe auf schnelle und rückhaltlose Aufklärung."

Rüdiger Nickel (DLV-Sportwart): "Es ist möglich, dass ein Dritter, ein Arzt oder wer auch immer, ihm das verabreicht hat, ohne dass er etwas davon gewusst hat."

Stephane Franke (Europameisterschafts-Dritter 1998 über 10 000 m hinter Baumann): "Es heißt ja Dopingverdacht. Im Gegensatz zu dem, was sich voriges Jahr bei uns abgespielt hat, gilt bei mir die Unschuldsvermutung. Wir haben voriges Jahr ganz schön Schelte einstecken müssen, und ich möchte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Was soll man dazu sagen?"

Ralf Braun (Schwimm-Europameister, Vize-Weltmeister): "Das ist eine Sauerei. Das ist sehr peinlich für den deutschen Sport. Da propagieren wir den dopingfreien Sport, und dann soetwas. Das finde ich ziemlich frech."

Astrid Kumbernuss (Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin im Kugelstoßen): "Ich bin schockiert. Was er alles gegen das Doping getan hat. Nein, ich kann es nicht glauben. Wenn ich mir diesen Sportler vorstelle und dann Pillen, das passt nicht zusammen. Das ist ein Schock für den deutschen Sport, wenn das wirklich so ist. Langsam kriege ich es mit der Angst zu tun. Es sind so viele, auch Prominente, bei denen man Nandrolon gefunden hat. Das ist mir unheimlich. Wer glaubt mir eigentlich noch, dass ich nicht Nandrolon nehme?"

Jürgen Schult (Olympiasieger, Welt- und Europameister im Diskuswerfen): "Das überrascht mich sehr, wenn es denn so sein sollte. Für mich ist jemand unschuldig, bis seine Schuld erwiesen ist. Ich glaube nicht, dass jemand in seinem Sportleralter das nötig hat. Das scheint eine kleine Modedroge zu sein. Ich habe keine Angst, dass unser Sport jetzt in Verruf kommt, denn ich denke, wir tun unseren Teil dazu und der Deutsche Leichtathletik-Verband auch."

Heike Henkel (Olympiasiegerin im Hochsprung 1992, Bayer Leverkusen): "Ich bin schockiert. Dieter Baumann und ich standen immer in der ersten Reihe, wenn es um den Kampf gegen Doping ging. Die Glaubwürdigkeit ist jetzt dahin. Mir fällt auf, dass immer mehr ältere Athleten wie Linford Christie und Merlene Ottey mit Nandrolon erwischt werden."

Willi Lemke (Bremens Senator für Bildung und Wissenschaft sowie ehemalige Werder-Manager und Leichtathlet): "Ich bin erschüttert. Ich habe Dieter Baumann immer als Vorbild für unsere Jugend gesehen. Ich warte gespannt auf die Begründung und seine Erklärung zu diesem Vorwurf. Vorher möchte ich den Stab nicht über ihn brechen."

Fred Muschke (Vorsitzender der Leichtathletik-Abteilung vom TSV 04 Bayer Leverkusen): "Die Nachricht hat uns schockiert. Dieter Baumann hat uns am Mittwoch über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Dieter Baumann genießt bis zur endgültigen Klärung der Angelegenheit das volle Vertrauen des Vereins. Allerdings sprechen die Fakten gegen ihn. Baumanns Vertrag läuft noch bis Ende 2000. Allerdings beinhaltet der Vertrag eine Klausel, die besagt, dass der Vertrag vorzeitig endet, wenn dem Athleten ein Dopingvergehen nachgewiesen wird."

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