Sport : Eine unerfüllte Liebe

Die Formel 1 kommt nicht richtig an in den USA

Karin Sturm

Berlin - Wie gefragt Danica Patrick momentan ist, zeigt die Tatsache, dass sie nicht einmal für die Formel 1 Zeit hat. Eigentlich hatte sie vor dem Großen Preis der USA (Sonntag, 20 Uhr, live bei RTL und Premiere) in Indianapolis ein paar Showrunden in einem BAR-Honda drehen sollen. Am Ende schaute sie nur einmal kurz vorbei, denn der volle Terminplan ließ nicht mehr zu. Seit die US-Amerikanerin vor drei Wochen an gleicher Stelle beim 500-Meilen-Klassiker als Vierte ins Ziel fuhr, ist sie heiß begehrt. Auch Formel-1- Chef Bernie Ecclestone hätte die 23-Jährige gern in einem seiner Autos gesehen. Er weiß: Der Werbeeffekt für die Formel 1 in den USA wäre nicht zu unterschätzen gewesen.

Und Werbung hat die Rennserie auch dringend nötig: Zwar hat sich in der letzten Zeit nach Einführung des US-Rennens im Jahr 2000 eine gewisse spezielle Formel-1-Fangemeinde gebildet, die zumindest am Renntag die Tribünen in Indianapolis recht gut füllt. Der breiten Masse in den USA ist die europäisch-fremde Rennsportdisziplin aber noch immer weitgehend unbekannt. Ecclestone schimpfte jetzt, das liege an den amerikanischen Veranstaltern, die vor allem landesweit viel zu wenig Werbung machten. Doch das ist sicher höchstens die halbe Wahrheit.

Denn ein wichtiger Punkt, der die Popularität der Formel 1 in den USA bislang verhindert, ist ihre Abgeschlossenheit, die Unzugänglichkeit der Stars. Da helfen auch ein paar organisierte Autogrammstunden oder die öffentliche Pressekonferenz mit Michael Schumacher nicht allzu viel. US-Rennsportfans sind gerade von der äußerst populären Nascar-Serie einfach anderes gewöhnt: Offene Fahrerlager und Top-Stars, die den Medien jederzeit zur Verfügung stehen – eine Verpflichtung, die bei vielen amerikanischen Piloten Vertragsinhalt ist und bei Nichtbeachtung Geldstrafen nach sich zieht.

Der zweite, vielleicht noch wichtigere Grund: Es fehlt ein amerikanischer Fahrer. Ohne einen einheimischen Helden haben Sportarten in den USA keine Chance. Wäre es eine Fahrerin wie Danica Patrick, dann umso besser. Doch die 23-Jährige sieht, bei allem Talent und Ehrgeiz, die Angelegenheit realistischer als so mancher PR-Stratege, der sie am liebsten so schnell wie möglich in ein Grand-Prix-Auto setzen möchte: „Natürlich war und ist die Formel 1 immer mein Traum. Aber man muss immer überlegen, was man macht, übereilte Entscheidungen bringen gar nichts. Ich fühle mich da, wo ich im Moment bin, sehr wohl.“ Patrick fährt in der Indy Racing League im starken Team des Fernseh-Moderators David Letterman, „und ein Wechsel in die Formel 1 würde für mich auch nur dann Sinn machen, wenn ich in ein gutes Team käme. Ich warte ab, ob ein gutes Angebot aus der Formel 1 kommt, aber ich sehe mich in dieser Beziehung auch nicht unter Zeitdruck.“

Ein anderer ist momentan dichter davor, als erster Amerikaner seit Michael Andretti 1993 bei einem Formel-1-Rennen zu starten. Der 22-jährige Scott Speed ist in Indianapolis wie schon vor einer Woche in Montreal als Testfahrer für das Red-Bull-Team dabei und machte neben den Rennpiloten David Coulthard und Christian Klien keine schlechte Figur. Speed ist das größte Talent aus dem nordamerikanischen Red-Bull-Nachwuchsförderungsprogramm. Sein Haupteinsatzgebiet ist die GP2-Serie im Rahmenprogramm der Formel 1. Dahin wird er nach seinem Nordamerika-Ausflug auch wieder zurückkehren. Wenn es der Formel 1 ernst ist mit der Eroberung des US-Marktes, wird Scott Speed aber nicht allzu lange dort bleiben.

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