Sport : Eine Unterschrift verleiht Flügel

Der VfB Stuttgart feiert Kuranyis Vertragsverlängerung

Oliver Trust

Stuttgart. Junge Mädchen in kurzen Sporthosen kreischten neben dem Trainingsplatz und im Vorraum der Geschäftsstelle des VfB Stuttgart „Kevin bleib!“ und schauspielerten sich, von einem lokalen Radiosender beauftragt, an den Rand einer Ohnmacht. Ein Maradona-Double suchte penetrant das Licht der Öffentlichkeit und stolzierte vor den Objektiven der Fernsehanstalten herum. Ein Dutzend Kamerateams drängelte sich vor Kuchentellern und Brezelplatten, unzählige Fotografen traten sich gegenseitig auf die Füße und stolperten über dicke Kabelwürste. Ein Wald aus Mikrofonen stand auf dem Tisch, als Kevin Kuranyi kurz nach halb eins am Mittag zur Tür herein- schritt und Minuten später seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag beim VfB Stuttgart setzte.

„Ich habe mich für den VfB entschieden, weil ich mit dieser Mannschaft und diesem Trainer meine Zukunft sehe“, sagte der 21 Jahre alte Nationalspieler. Obwohl den Deutsch-Brasilianer Klubs aus ganz Europa wie der AC Mailand und Bundesligaklubs wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen jagten, verlängerte Kuranyi nun in Schwaben bis ins Jahr 2008. „Ich bin sehr erleichtert, dass es jetzt vorbei ist“, sagte der Stürmer, dem das Theater offenbar am Ende selbst auf die Nerven ging. „Es war ein wichtiger Schritt für meine Zukunft, deshalb habe ich mir so lange Zeit gelassen. Die ganze Sache hat mich zuletzt sehr gehemmt, ich will jetzt versuchen, wieder meine alte Leistungsfähigkeit zurückzubekommen.“ Die Verhandlungen mit dem VfB Stuttgart hatten sich über Monate hingezogen. Allein Schalke 04 soll Kuranyi rund drei Millionen Euro pro Jahr geboten haben. Leverkusen wollte ihn mit einem langfristigen Vertrag und einem gut dotierten Ausrüstervertrag zu sich locken.

Kuranyis Vertrag in Stuttgart kommt nun erst im letzten Jahr an diese Summen heran und sieht eine stufenweise Aufstockung seines Gehalts auf 2,8 Millionen Euro pro Saison bis 2008 vor. „Ein Drittel seines Vertrages ist leistungsbezogen. Er macht sich also abhängig vom Erfolg der Mannschaft“, sagte VfB-Präsident Erwin Staudt. „Man muss ihm hoch anrechnen, dass er sich für den Weg der Perspektive entschieden hat. Der 11. Dezember 2003 ist ein besonderer Tag für den VfB.“ Und Trainer Felix Magath hofft nun, die Serie von vier Spielen ohne Sieg brechen zu können: „Ich denke, diese Unterschrift wird die ganze Mannschaft vor dem Spiel in München beflügeln. Ich war mir sicher, dass er bleibt, aber der Verein musste sich dafür strecken.“

Gleich nach der showgleichen Pressekonferenz und einem gemeinsamen Essen der Mannschaft brachen die Schwaben mit Kuranyi ins Trainingslager nach München auf. „Wir wollen uns dort lange und intensiv unterhalten, damit wir die Serie der letzten vier Spiele wegbekommen“, sagte Kuranyi, und er lächelte befreit. „Ich bin dankbar, dass der Trainer hier immer zu mir stand und dass die Fans zu mir gehalten haben, obwohl ich jetzt lange nicht getroffen habe. Jetzt geht es endlich wieder um Fußball und nicht mehr nur um mich.“

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