Sport : Eine Wahl, zwei kleine Überraschungen

Die Biathleten Kati Wilhelm und Michael Greis sowie die deutschen Fußballer sind Sportler des Jahres

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Baden-Baden - Der Preis hat Tradition. Sehr viel Tradition sogar: Seit 1947 wählen Sportjournalisten aus der Bundesrepublik an jedem Jahresende die deutsche Sportlerin und den Sportler des Jahres. Seit 1957 wird zudem eine Mannschaft des Jahres gekürt. Am Sonntag wurden die renommierten Auszeichnungen des deutschens Sport bereits zum 60. Mal bei einer vom ZDF ausgerichteten Gala im Kurhaus von Baden-Baden vergeben. Mehr als 1000 Sportjournalisten hatten gewählt. Bei den Einzelsportlern waren die Preise für die Biathleten Kati Wilhelm und Michael Greis etwas überraschend, steht doch ihr Sport nicht so im öffentlichen Fokus wie etwa die Formel 1, in der Rekordweltmeister Michael Schumacher kürzlich zurückgetreten ist. Dagegen war die Ehrung für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Männer nach dem WM-Sommer von Deutschland eher zu erwarten. Bereits zum siebten Mal wurde die Nationalelf Mannschaft des Jahres – so oft wie keine andere.

Wilhelm bekam 3363 Punkte, Greis 3126 Punkte und die Fußballer siegten klar mit 4165 Punkten vor dem Hockey-Team der Männer (2919). Zweite bei den Frauen wurde die Schwimmerin Britta Steffen (2980), der zurückgetretene Rennfahrer Schumacher kam auf Platz zwei bei den Männern (1645). Die Preisträger im Einzelnen:

SPORTLERIN DES JAHRES

Kati Wilhelm (Biathlon). Sie hat sich allein schon durch ihre außergewöhnliche Haarfarbe in den Vordergrund gedrängelt. Der Farbe rot bleibt sie übrigens auch in der Loipe treu, dann verdeckt meist eine rote Mütze den Wilhelmschen Rotschopf. Ihre sportlichen Leistungen sind in diesem Jahr allerdings auch nicht uninteressant: Bei den Winterspielen in Turin gewann sie Gold in der 10-Kilometer-Verfolgung, wurde Zweite mit der deutschen Staffel und Zweite im erstmals bei den Spielen ausgetragenen Massenstart über 12,5 km. Sie ist damit die erfolgreichste Biathletin bei Winterspielen. Schon vier Jahre zuvor hatte die einstige Langläuferin – erst seit 1999 schießt die inzwischen 30 Jahre alte Wilhelm auch – zweimal Gold und einmal Silber gewonnen.

Den Preis nahm sie bei der gestrigen Gala recht entspannt aus den Händen der Bestsellerautorin Susanne Fröhlich entgegen, mit der sie auf einem gemeinsamen, zehn Tage langen Trip in Kanada unterwegs war. „Am meisten ist mir unser gemeinsamer Ausflug ins Alpine in Erinnerung geblieben“, sagte Wilhelm zu ihrer guten Bekannten. „Da habe ich nämlich eine Kamera umgefahren.“ Aber neben allem Spaß gab sie auch zu, dass der gestrige Abend für sie ein ganz besonderer war. „Man genießt so etwas natürlich“, sagte Kati Wilhelm.

SPORTLER DES JAHRES

Michael Greis (Biathlon). Michael Greis hatte zum Biathlon-Weltcup nach Hochfilzen den feinen Anzug im Koffer. Denn am Sonntagnachmittag wartete in Salzburg der Privatjet, der den dreimaligen Olympiasieger direkt nach Baden-Baden brachte. „Ich war noch nie bei der Ehrung der Sportler des Jahres. Umso mehr habe ich mich jetzt gefreut“, sagte der Sportsoldat aus Nesselwang. Dabei sammelte der Allgäuer bei den Spielen von Turin mehr Goldmedaillen als alle anderen. Im Einzel, in der Staffel und beim Massenstart triumphierte Greis. Damit war er der erste deutsche Sportler, der bei einer olympischen Veranstaltung dreimal Gold gewann. Der ehenmalige Langläufer Greis, der erst mit 24 Jahren in die deutsche Weltcup-Mannschaft kam, gilt in der Szene als Tüftler: Zwei Tage vor dem olympischen 20-Kilometer-Rennen in Italien hat Greis noch einmal an seinem Gewehr gebastelt und den Schaft um einen Millimeter zur Seite versetzt. Ein besseres Schießgefühl versprach er sich davon, zu Recht: Er kam mit nur einem Fehlschuss ins Ziel, während sich Favorit Ole Einar Björndalen zwei Fehler leistete, was für den Norweger nur zu Silber reichte – trotzdem überreichte er gestern Greis seinen Preis.

MANNSCHAFT DES JAHRES

Fußball-Nationalelf. Der Erfolg des ganzen WM-Jahres geht auf Robert Huth zurück. Das ist nicht nur eine hübsche Vorstellung, sondern auch eine wahre. Robert Huth, diesem kompromisslosen deutschen Innenverteidiger, fällt das Verdienst zu, eines der denkwürdigsten Jahre für den deutschen Fußball eingeleitet zu haben. Huth war es nämlich, der das erste Tor für die Nationalmannschaft in diesem Jahr schoss. Es war am 1. März in Italien, Huth hatte den Anschlusstreffer zum 1:4 erzielt. Kein Wort war über diese Leistung verloren worden. Am Ende war nur die Rede vom Fiasko von Florenz. Was danach kam ist bekannt: Deutschland erlebte ein Sommermärchen, die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann kam nach begeisternden Leistungen auf Platz drei. Gestern konnte nicht die komplette deutsche Mannschaft in Baden-Baden erscheinen, trotzdem war viel Prominenz zugegen: Unter anderen waren neben WM-Organisator Franz Beckenbauer auch Oliver Bierhoff, der Sportdirektor der Nationalmannschaft, Torhüter Oliver Kahn und Angreifer Miroslav Klose gekommen, der auch noch Dritter bei den Männern wurde. TSP/cv/miro

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