Sport : Eine Wildcard für Christoph Metzelder

An diesem Wochenende will Bundestrainer Löw festlegen, welche 23 Spieler er für die EM nominiert

Stefan Hermanns

Am Wochenende fällt die Entscheidung. Dann wird sich Bundestrainer Joachim Löw mit seinem Assistenten Hans-Dieter Flick, seinem Chefscout Urs Siegenthaler und Torwarttrainer Andreas Köpke in Klausur begeben, um die 23 Spieler für seinen EM-Kader festzulegen. Im Laufe der kommenden Woche will Löw seine Auserwählten informieren, am 16. Mai dann erfährt auch die Öffentlichkeit bei der Präsentation auf der Zugspitze, mit welchen Spielern der Bundestrainer die Bergtour 2008 plant. Wir spekulieren schon mal, für wen er sich entscheidet.

TOR

Jens Lehmann wird bei der Europameisterschaft die deutsche Nummer eins sein. Und auch dahinter ist alles wie gehabt: Timo Hildebrand darf sich als Lehmanns erster Vertreter fühlen, Robert Enke kommt als Nummer drei in den Genuss, mit 30 Jahren erste Turniererfahrungen zu sammeln. Die nächste Generation der Adlers und Neuers muss sich noch etwas gedulden: Nach der EM allerdings könnte die Hierarchie unter Deutschlands Torhütern komplett über den Haufen geworfen werden. Einen klaren Nachfolger für Lehmann gibt es noch nicht.

ABWEHR

Per Mertesacker mag die Bezeichnung Abwehrchef nicht besonders, aber dass er diesen Job in der Nationalmannschaft längst zur allgemeinen Zufriedenheit ausübt, lässt sich nur schwer bestreiten. Auch Löw hat zuletzt immer wieder auf den Aufstieg des Bremers zur Führungsfigur in der Nationalelf verwiesen. Das liegt auch daran, dass sein Nebenmann Christoph Metzelder zuletzt lange ausgefallen ist. Dank historischer Verdienste um das Sommermärchen wird Metzelder, der in diesem Jahr noch kein Spiel bestritten hat, eine Art Wildcard von Löw erhalten. Für den Notfall steht Arne Friedrich als zweiter Innenverteidiger bereit. Der vierte Mann für die Zentrale wird wohl Heiko Westermann heißen, der auch links und rechts in der Viererkette spielen kann. Erste Anwärter für die Außenpositionen sind Philipp Lahm (rechts) und Marcell Jansen (links), obwohl beide bei den Bayern eine mäßige Saison hinter sich haben. Für die letzte freie Planstelle in der Abwehr könnte es mit Christian Pander eine überraschende Lösung geben. Der Schalker hat bisher erst ein Länderspiel bestritten, repräsentiert aber eine unterrepräsentierte Spezies in Löws Kader: Er ist Linksfuß.

MITTELFELD

Michael Ballack soll wieder einmal die überragende Figur in der deutschen Mannschaft werden. So wie bei der EM 2004 und der WM 2006. Nichts Neues also. Zumindest ist Ballack derzeit einer der wenigen Mittelfeldspieler, der weder verletzt ist noch seine Form sucht. Auch Torsten Frings bleibt unersetzlich – wenn er in Form ist. Er muss nach seiner langen Pause allerdings körperlich noch zulegen, um sein sehr physisches Spiel spielen zu können. Clemens Fritz könnte den Platz des verletzten Bernd Schneider im halbrechten Mittelfeld übernehmen, es sei denn Bastian Schweinsteiger rückt von der linken Seite nach rechts, wodurch wiederum seine bisherige Position für Tim Borowski frei werden würde. Der Bremer hat sich durch zuletzt stärkere Leistungen wieder in den EM-Kader gespielt. Thomas Hitzlsperger wird ebenfalls zu Löws Aufgebot gehören; allerdings wird es nicht unbedingt zu einem Stammplatz reichen. Das Gleiche gilt für Piotr Trochowski, der ebenfalls von Schneiders Ausfall profitieren könnte, weil er ihm mit seinem kleinteiligen Spiel noch am nächsten kommt. Die Nominierung wäre auch so etwas wie ein Gnadenakt für den Hamburger, der – bedingt auch durch viele Verletzungen – fast immer dabei war. Aussichtsreichster Anwärter für den letzten freien Platz im Mittelfeld ist Simon Rolfes, der mit Bayer Leverkusen zuletzt allerdings etwas schwächelte. Trotzdem ist Rolfes leicht im Vorteil vor dem Schalker Jermaine Jones.

STURM

Miroslav Klose gilt immer noch als Deutschlands bester Stürmer, dabei sitzt ihm Mario Gomez längst im Nacken. Vermutlich werden beide bei der EM den Angriff bilden. Kevin Kuranyi muss sich mit der Rolle des Jokers begnügen, aber das ist immer noch besser, als gar nicht dabei zu sein wie bei der WM vor zwei Jahren. Lukas Podolski dürfte es bei der EM nicht wesentlich anders ergehen als in dieser Saison bei den Bayern: Er ist nur Ersatz, es sei denn Löw verschiebt ihn wieder ins linke Mittelfeld. Für den ominösen fünften Platz ist Oliver Neuville im Moment der Favorit. Zumindest hat er sich zuletzt für ganz besondere Momente empfehlen können: Neuville verwandelte in der Liga drei Elfmeter.

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