Sport : Einen für dich, einen für mich

Anni Friesinger und Claudia Pechstein teilen sich die Eisschnelllauf-Titel schwesterlich

Mathias Klappenbach

Berlin. Zum Jahreswechsel will sie ihre Ruhe haben. „Silvester verbringe ich ganz entspannt zu Hause. Und ich erwarte auch keinen Besuch“, sagte Claudia Pechstein, nachdem sie sich souverän den Titel der Allrounder bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften der Eisschnellläufer im Sportforum Hohenschönhausen gesichert hatte.

Pechstein hatte leichtes Spiel, schließlich hatte Anni Friesinger auf einen Start bei den Allroundern, die an zwei Tagen die Strecken über 500 m, 1500 m, 3000 m, und 5000 m laufen, verzichtet. Die Olympiasiegerin über 1500 m startete stattdessen im Sprint-Mehrkampf, bei dem je zweimal 500 und 1000 m gelaufen werden und wurde hier Deutsche Meisterin. Zum direkten Duell der beiden Dauerrivalinnen wird es erst bei den Europameisterschaften der Allrounder im niederländischen Heerenveen (9. bis 11. Janauar) kommen. Pechstein rechnet sich durchaus Chancen aus, Friesinger ihren EM-Titel abzujagen. „Die Form ist da, ich bin richtig gut in Schuss. Nur die 500 m waren schlecht“, sagte Pechstein. „ Die 500 m konnte ich noch nie laufen. Und das lerne ich jetzt auch nicht mehr“, sagte die Olympiasiegerin über 3000 und 5000 m. Zudem war die Berlinerin wegen einer gerade auskurierten Oberschenkelzerrung am Start der Sprintstrecke noch vorsichtig. Eigentlich hatte Pechstein bei den von allen Top-Athleten als Vorbereitungswettkampf eingestuften Meisterschaften wegen der Verletzung gar nicht alle Rennen bestreiten wollen.

Auch Anni Friesinger überzeugte vollends nur über die 1000-m-Strecke, auf der 500-m-Distanz belegte sie in den einzelnen Läufen nur den dritten und vierten Platz. Die guten Zeiten über 1000 m reichten für den Titel, weil Sabine Völker gar nicht angetreten war und Monique Garbrecht-Enfeldt sich bei ihrem Comeback nach einer Knieverletzung mit den beiden Läufen am ersten Tag begnügte. Bundestrainer Helmut Kraus, der mit den gezeigten Leistungen zufrieden war, hat Völker und Garbrecht-Enfeldt aber für die Sprint-Weltmeisterschaften im japanischen Nagano (17. und 18. Januar) nominiert. Dort wird – eine Woche nach der Allround-EM in Holland – auch Anni Friesinger starten. „Ich liebe Sushi und habe bei den Sprintspezialisten nichts zu verlieren. Und ich kann mir über die 1000 m schon etwas ausrechnen“, sagte Friesinger.

Die Olympiasiegerin über 1500 m zieht sich vor den internationalen Wettkämpfen der kommenden Wochen ebenfalls noch für ein paar Tage zurück. Sie will Silvester auf dem Land verbringen. In ihrem Wohnort Salzburg war es Friesinger im vergangenen Jahr zu laut, bis zehn Uhr morgens wurde vor ihrem Haus gefeiert. Deshalb fährt sie noch für ein paar Tage zu Freunden in die Nähe von München, bevor es zur EM nach Holland geht. Und endlich mal wieder zu einem spannenden und vielleicht sogar lauten Duell mit Claudia Pechstein kommt.

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