Sport : „Einen großen Schritt nach vorne gemacht“

Volleyballer Stefan Hübner über die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft und das Abschneiden als WM-Neunter

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Die deutsche Mannschaft hat die Volleyball-WM als Achterbahnfahrt erlebt: Vier Siege zu Beginn, dann fünf Niederlagen in Folge und zum Abschluss wieder zwei Siege und der neunte Platz. Sind Sie sich manchmal selbst ein Rätsel?

Man muss sehen, gegen wen wir nach unseren Siegen verloren haben. Das waren mit Brasilien, Italien und Bulgarien drei sehr, sehr starke Teams. Am Schluss, als für uns am meisten auf dem Spiel stand, haben wir dem Druck standgehalten. Das zählt. Mit Platz neun steigen wir in der Weltrangliste, was als Ausgangsposition für die Olympia-Qualifikation extrem wichtig ist. Zudem werden wir in der öffentlichen Förderung aufgewertet, auch für uns persönlich bedeutet der positive Abschluss viel.

Wegen der vom Verband ausgesetzten Erfolgsprämie?

Darum geht es nicht. Ich weiß ja nicht mal genau, wieviel wir bekommen. Ich glaube, das sind 2500 Euro. Dafür reißt sich niemand drei Monate lang den Hintern auf. Nein, wir wollten bei der WM zeigen, dass wir mit den Besten der Welt mithalten können. Das haben wir geschafft.

Es gibt also keinen Grund zu hadern?

Überhaupt nicht. Um in die Runde von fünf bis acht zu kommen, hätten wir doch weiter fast alles gewinnen müssen. Aber es darf auch niemand vergessen, wo wir herkommen. Wir waren zwölf Jahre lang bei keiner WM und können uns doch jetzt nicht hinstellen und davon ausgehen, dass wir alles weghauen. Das ist Außenstehenden schwer zu vermitteln, dass wir hier trotz der Niederlagen zwischendurch wieder einen großen Schritt nach vorn gemacht haben.

Was fehlt dem Team, um den nächsten Schritt Richtung absoluter Weltspitze gehen zu können?

Unsere Fehlerquote im Angriff ist noch zu hoch. Da fehlt noch ein bisschen Geduld, um bei Punktbällen erfolgreicher zu sein. In den Bereichen Block und Feldabwehr stehen wir gut, aber dann wollen wir beim Gegenangriff mit dem Kopf durch die Wand. Da müssen wir souveräner werden.

Fehlt der Mannschaft auch ein Stück Killermentalität?

Das wird immer gesagt, aber ich glaube das nicht. Das 3:2 im abschließenden Spiel gegen die USA hat doch gezeigt, dass wir durchaus in der Lage sind, knappe Spiele zu gewinnen. Uns fehlt aber ein Stückchen Cleverness.

Was bedeutet Platz neun auf dem Weg zum großen Ziel Olympia 2008 in Peking?

Das ist enorm wichtig, weil wir jetzt bei der EM 2007 die große Chance haben, in der Weltrangliste als siebtbestes Team aus Europa geführt zu werden. Dafür müssen wir Griechenland und Holland hinter uns lassen. Das würde uns die Möglichkeit eröffnen, bei einem weiteren Qualifikationsturnier für Olympia antreten zu dürfen. Nur so bekämen wir eine einigermaßen realistische Chance, unseren Traum wahr zu machen.

Vor einem Jahr haben Sie sich entschlossen, eine Karriere als Beachvolleyball-Profi zu starten, im Frühjahr jedoch den Weg zurück in die Halle angetreten.

Ich habe gemerkt, dass mir das Spiel in der Halle mehr liegt.

Brauchen Sie die Nestwärme der Mannschaft?

Ich fühle mich wohl in der Gruppe. Beachvolleyball ist ja eher ein Einzelsport. Ich bin keiner, der ständig jemanden um sich herum haben muss, aber das Arbeiten und Reisen mit der Gruppe macht Spaß, es bedeutet für mich ein Stück Lebensqualität.

Bundestrainer Stelian Moculescu betont stets, diese Mannschaft sei noch im Wachstum. Wo kann die Entwicklung hinführen?

Bei der Europameisterschaft 2007 wollen wir den nächsten Schritt gehen, in aller Bescheidenheit. Wir haben bei unseren Frauen ja gesehen, wohin es führt, wenn eine Mannschaft zu schnell Richtung Medaille gepuscht wird.

— Das Gespräch führte Felix Meininghaus

Stefan Hübner, 31 , hat nach einem Ausflug zum Beachvolleyball einen Neuanfang in der Halle gestartet. Er gehörte bei der WM in Japan zu den Stützen des deutschen Teams.

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