Sport : Einer für alle

Auf dem Weltranglistenersten Timo Boll ruhen die deutschen Hoffnungen bei der Tischtennis-WM in Paris – und die anderen?

Jörg Petrasch

Berlin. Mit der Organisation nimmt man es bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft in Paris mitunter nicht ganz so genau. Das mussten Timo Boll und Kollegen erfahren. Weil keine Trainingspläne im Palais Omnisport erstellt wurden, mussten die Deutschen in eine Nebenhalle ausweichen. Ob sich das Chaos negativ auf ihre Spiele auswirkt, wird sich zeigen. Die Chancen:

Timo Boll ist die große Medaillen-Hoffnung des Deutschen Tischtennisbund (DTTB). Der Weltranglistenerste vom TTC Gönnern hat seine gesamte Saisonplanung auf die WM ausgerichtet. Dass er bei der EM im April seinen Titel nicht verteidigen konnte, ist deshalb nicht so schlimm. Viel wichtiger war, dass Boll den World-Cup in China im letzten Jahr gewinnen und dort die gesamte einheimische Tischtennis-Elite schlagen konnte. Zusammen mit dem Weißrussen Vladimir Samsonow nimmt Boll in Paris den Kampf der Europäer gegen die asiatischen Favoriten auf. Mit seinen 22 Jahren ist der Hesse der jüngste Mann im Team.

Jörg Roßkopf ist der älteste Spieler, kann dafür aber ohne Druck aufspielen. Erwartet werden von ihm keine Wunderdinge mehr. Der Rekordnationalspieler, der vor 15 Jahren an gleicher Stelle mit Bronze bei der EM seine erste internationale Medaille erringen konnte, würde in der dritten Runde am Donnerstag auf den an Fünf gesetzten Werner Schlager aus Österreich treffen. Am gleichen Tag feiert der ehemalige Doppel-Weltmeister seinen 34. Geburtstag.

Torben Wosik kann ebenfalls locker aufspielen. Mit seinem Finaleinzug bei der EM im letzten Monat hatte der 29-Jährige in diesem Jahr bereits seinen Höhepunkt. Spätestens in Runde drei wartet aller Voraussicht nach Chinas Topfavorit und Weltranglistenzweiter Ma Lin auf Wosik. Für ihn und Roßkopf geht es bei der WM um einen Direktplatz bei Olympia 2004 in Athen. Keine einfache Aufgabe für die beiden Freunde.

Lars Hielscher wird Erfahrung sammeln. Der 24-Jährige dürfte die erste Runde überstehen. Immerhin.

Zoltan Feyer-Konnerth hat die undankbarste Aufgabe zu bewältigen. In Runde zwei muss der 24-jährige Karlsruher voraussichtlich gegen Schwedens Tischtennis-Legende und zweifachen Einzel-Weltmeister Jan-Ove Waldner antreten. Die ganze Halle wird gegen ihn sein. Waldner ist nach wie vor ein Star – trotz seiner 37 Jahre.

Bastian Steger musste sich als Einziger durch die Qualifikation quälen. Das Erlebnis, vor 12 000 Zuschauern zu spielen, wird wohl sein einziges Erfolgserlebnis bleiben.

Jie Schöpp führt das Damenteam an. Die gebürtige Chinesin kehrt nach zwei Jahren wieder in das Nationalteam zurück. Die 35-jährige Abwehrspielerin dürfte gegen die jüngeren und schnelleren Asiatinnen vermutlich kaum eine Chance haben.

Nicole Struse ist ebenso Außenseiterin. Sie hat allerdings den Trost, dass sie sich in der ersten Runde gegen Silvija Erdalji (Serbien-Montenegro) erfolgreich für ihre Viertelfinal-Niederlage bei der letzten EM revanchieren darf. Danach wartet auf die 31-jährige ehemalige Europameisterin die topgesetzte Titelfavoritin Zhang Yining aus China.

Elke Wosik darf sich immerhin auf ein Mixed an der Seite ihres Mannes Torben freuen. Im Einzel wird sich in Runde zwei aber eher Li Nan freuen.

Tanja Hain-Hofmann wird in der nächsten Saison bei 3B Berlin in der Bundesliga spielen. In Runde eins wartet die Weißrussin Viktoria Pavlovitch, die Zwillingsschwester ihrer künftigen Berliner Teamkollegin Veronika Pavlovitch.

Laura Stumper ist die jüngste im gesamten Team . Mit ihren 18 Jahren kann sie immerhin ihr Französisch aufbessern.

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