Sport : Einer gegen alle

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José Mourinho bleibt sich treu – auch bei Real Madrid. Der Portugiese versucht, sich bei seinem neuen Verein so viele Feinde wie möglich zu machen. Mourinho poltert gegen die einheimischen Journalisten, – wütend verließ er die Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel in Auxerre – er beschimpft Kollegen, äußert sich respektlos über die Gegner und verärgert die heimischen Fans mit seiner defensiven Spielweise. So hat er es bisher immer getan und so wird er es auch in Zukunft tun. Wo diese allerdings liegt, ist nicht so klar, wie es sein Vierjahresvertrag bei Real Madrid vermuten lässt. Denn: Mourinho wandelt auf dünnem Eis. Er überschätzt sich, wenn er glaubt, jeden in Madrid gegen sich aufbringen zu können. Bei keinem anderen Verein haben die Fans und vor allem die Medien ein derartiges Mitspracherecht wie bei Real. Die Chefredaktion der „Marca“, Spaniens größter Sportzeitung, pflegt einen engen Kontakt zu Real-Präsident Florentino Perez. Mit dem Konkurrenzblatt „As“ verhält es sich ähnlich. Haben sich die Medien erst einmal gegen einen Trainer entschieden, ist dessen Ende im Verein absehbar.

Mourinho selbst ist dabei kein Vorwurf zu machen. Er hat sich in Porto, London oder Mailand nie anders verhalten. Wer den Trainer verpflichtet, holt nicht nur automatisch den Erfolg, sondern auch die Extravaganz eines Selbstdarstellers. Das wusste man vorher. Nur Perez hat das nicht gewusst. Oder nicht wissen wollen. Nun steht die Zusammenarbeit zwischen José Mourinho und Real Madrid bereits nach wenigen Wochen auf der Probe. Was als Erfolgsstory beginnen sollte, könnte als große Enttäuschung enden – für Real und für Mourinho.

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