Sport : Einer geht, Probleme bleiben

Michael Rosentritt über den nächsten Abgang bei Hertha BSC

Michael Rosentritt

Hertha hat eine sportlich miserable Saison hinter sich. Derzeit ist der Fußball-Bundesligist dabei, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Die deutlichste ist die Trennung vom langjährigen Spieler Dick van Burik, der in einer erschreckend schwachen Abwehr noch der stabilste war. Aber natürlich können bei einem 33 Jahre alten Spieler relativ leicht sportliche Gründe angeführt werden. Aber sie sind in diesem Fall entscheidend? Van Buriks Vertrag war stark leistungsbezogen. Nur wenn er auch gespielt hätte, hätte er gutes Geld verdienen können.

Der wahre Grund ist ein anderer. Der Verein glaubt, dass der Spieler seinen Einfluss auf junge Spieler nicht im Interesse des Vereins gestellt, sondern dass er einem Spieler wie beispielsweise Jerome Boateng zu einem Vereinswechsel geraten hat. Schließlich würde dann van Buriks Vater als Spielerberater Boatengs kräftig mitverdienen. Das ist die eine Hälfte der Wahrheit. Heutzutage verdienen Spielerberater auch bei Vertragsverlängerungen ihrer Klienten mit.

Hertha hat van Burik aus dem Weg geräumt, aber nicht die eigentliche Problematik bewältigt: Der Klub verliert Talente, die er nicht verlieren will. Ashkan Dejagah an Wolfsburg oder Nico Pellatz an Bremen. Sie standen nicht unter dem Einfluss van Buriks. Den freien Markt wird Hertha nicht verändern können, es gibt Vereine, die viel Geld für Talente, die sie nicht selber entwickeln, ausgeben. Hertha muss – über die Attraktivität Berlins hinaus – eigene Reize setzen. Die sportliche Perspektive ist anderswo für junge Spieler nicht schlechter.

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