Sport : Einer geht – wer geht mit?

Union will Verhandlungen bis Dienstag geklärt haben

André Görke

Berlin. Seinen Vorgesetzten einen „Osterhasen“ zu nennen, ist, nun ja, nicht besonders klug. Dass sich jener Vorgesetzte „um seinen eigenen Scheiß“ kümmern soll, das ist nicht viel besser. Heiner Backhaus, dem Fußballprofi des 1. FC Union, wird diese markige Wortwahl wohl den Arbeitsplatz kosten. Der Zweitligist will sich schnell von dem 20–Jährigen trennen. „Wir prüfen die rechtlichen Schritte“, sagt Vizepräsident Bernd Hofmann. „Wir wollen die Zusammenarbeit mit Herrn Backhaus nicht mehr fortsetzen.“

Dabei ist der Ärger des Spielers ein wenig zu verstehen, denn Präsident Bertram hatte sich zuvor nicht weniger unglücklich ausgedrückt. Backhaus war der erste Profi, der den Vorschlag des Präsidenten abgelehnt hatte, auf 20 Prozent des Gehalts zu verzichten, damit Union im Frühjahr nicht vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Bertram reagierte auf die Ablehnung gereizt: „Ihm fehlt die Reife. Er hat eine große Klappe. Aber er ist ja noch jung.“ Einen Tag später dann sagte er: Backhaus habe seinen Kopf „nur zum Haare waschen“. Daraufhin hatte dann der Spieler seinen Kommentar abgeben.

Am Dienstag trafen sich nun Vizepräsident Hofmann und Backhaus zum Gespräch. „Herr Backhaus hat uns mitgeteilt, dass er uns verlassen möchte“, sagt Hofmann. „Ein Auflösungsvertrag besteht aber nicht. Herr Backhaus ist immer noch Arbeitnehmer des Vereins.“ Wenn Union am Sonntag gegen Trier spielt, wird Backhaus aber wohl kaum zum Kader gehören. Bis zur Winterpause wolle man sich „unspektakulär und reibungslos“ von ihm trennen, sagt Unions Pressesprecher Lars Töffling. Backhaus besitzt bei Union einen Vertrag bis 2004. Sein Berater Thomas Strunz bemüht sich bereits um einen neuen Arbeitgeber.

Dass Backhaus eine Vorreiterrolle für anderer Spieler einnehme, den Verein zu verlassen, glaubt Union nicht. „Die Fälle kann man nicht vergleichen. Backhaus hat andere Beweggründe“, sagt Töffling. „Einen Lawineneffekt wird er nicht auslösen.“ Wie sich die Spieler in Sachen Gehaltskürzungen verhalten, wird sich bald herausstellen. Die Vereinigung der Vertragsfußballer, die sich in den Fall eingeschaltet hatte, wird Unions Spielern heute den aktuellen Stand der letzten Verhandlungen erläutern. „Bis Dienstag sollte Klarheit herrschen,“ sagt Töffling. Dann beginnen für die Spieler die Weihnachtsferien.

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