Sport : Einer ist nicht zu bremsen

Karin Sturm
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Nach Sebastian Vettels drittem Sieg im vierten Saisonrennen fragt sich die Formel 1: Wer soll ihn in dieser Saison denn überhaupt noch aufhalten? Vettel scheint sich nicht erst seit dem Triumph in Istanbul auf dem direkten Weg – um nicht zu sagen, fast auf einem Spaziergang – zu seinem zweiten WM-Titel zu befinden. Nicht nur seine deutschen Fahrerkollegen Adrian Sutil und Nico Hülkenberg erklären jedenfalls fast wortgleich: „Sebastian ist kaum noch zu stoppen.“

Verschiedene Gründe sprechen in der Tat dafür, dass der 23-Jährige sich vielleicht schon deutlich vor dem Saisonende mit seinem zweiten Titel schmücken kann. Erstens ist er selbst in einer herausragenden Form. Der Heppenheimer fährt souverän, im entscheidenden Moment fehlerfrei, mit großer Ruhe und Übersicht. Seinem Teamkollegen Mark Webber hat er inzwischen wohl endgültig den letzten Nerv gezogen; der Australier weiß, dass er unter normalen Umständen keinen Stich mehr macht. Während Vettel am Sonntagabend schon auf dem Weg zum Flughafen war, ließ sich der enttäuschte Webber an der Strecke noch eine heiße Schokolade zum Frustabbau kredenzen.

Zweitens nimmt sich Vettels direkte Konkurrenz gegenseitig die Punkte weg. Schien zuletzt noch McLaren der Hauptkonkurrent zu sein, schwächelten Lewis Hamilton und Jenson Button nun in Istanbul. Dafür scheint Ferrari einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht zu haben. Fernando Alonso lieferte ein starkes Rennen ab, und auch Red-Bull-Chef Christian Horner glaubt: „Unterschätzen darf man diese Kombination nicht.“

Drittens ist zu erwarten, dass der RB7 auch den Rest des Jahres das beste Auto bleiben wird. Ob schnelle, mittelschnelle oder langsame Kurven – es gibt keine Streckencharakteristik, die dem Auto nicht liegt. Ein Schicksal wie Brawn im Jahr 2009 droht auch nicht. Brawn war damals zur Saisonmitte seinen Anfangsvorsprung los, nachdem die Konkurrenz den Doppeldiffusor – das große Schlüsselelement des Autos – kopiert hatte. Doch die Überlegenheit des Red Bull ergibt sich nicht aus einem einzigen, speziellen Wunderteil, sondern aus dem Gesamtkonzept von Chefdesigner Adrian Newey. Das ist schwieriger zu kopieren – und auch schwieriger durch höhere Eingriffe wie eine Regeländerung einzubremsen. So etwas widerfuhr Newey 1998 mit dem McLaren, an dem nach zwei überlegenen Siegen das spezielle Bremskonzept kurzerhand verboten wurde. Newey hat daraus gelernt und kaschiert auch deswegen die Überlegenheit seines Autos ein wenig: Es hat schon Gründe, warum Vettel mit relativ geringen Vorsprüngen von fünf bis zehn Sekunden gewinnt und nicht mit mindestens einer halben Runde, was manchmal sicher möglich wäre.

Auch die Formel-1-Historie spricht, viertens, für Sebastian Vettel. Am Anfang der Saison werden immer wieder die Vorsprünge herausgefahren, die am Ende zum Titel reichen. Das war zuletzt 2009 bei Jenson Button so und auch schon viel früher. 1991 startete Ayrton Senna mit vier Siegen in die Saison, ein Jahr später Nigel Mansell mit fünf, genauso wie Michael Schumacher 2004. Alle drei wurden am Ende auch Weltmeister.

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