Sport : Einer-Kajak: "Ich fühle mich politisch missbraucht"

Sie gehören zu den fünf italienischen Ol

Josefa Idem (36) wurde in Sydney Olympiasiegerin im Einer-Kajak über 500 m. Die Kanutin, die in Hamm in Westfalen geboren wurde, zog 1989 in die Nähe von Ravenna und startet seit 1990 für Italien.

Sie gehören zu den fünf italienischen Olympiasiegern, bei denen die Forschungskommission des Nationalen Olympischen Komitees von Italien, CONI, vor Sydney Anomalien bei Wachstumshormonen festgestellt hat. Die CONI-Forscher Donati und Bellotti bewerten das als Doping.

Für mich ist das Rufmord.

Warum?

Ich erzähle Ihnen mal die Geschichte dieser Anomalie. Ich habe am 20. Mai für das CONI-Projekt "Ich gefährde doch nicht meine Gesundheit" eine Blutprobe abgegeben. Mit ihm soll der Anti-Doping-Kampf verbessert werden. Jeder Spitzensportler, der nach Sydney wollte, musste daran teilnehmen. Es war von klar, dass es sich dabei um ein Forschungsprojekt, nicht um eine Dopingkontrolle handelt. Bei dieser Probe wurde festgestellt, dass das Wachstumshormon GH einen höheren Wert hatte als normal.

34 mal höher als normal.

Schon dieser Wert ist falsch. Die CONI-Skala ging nur bis zum Faktor zehn. Aber mal abgesehen davon, hat unser Mannschaftsarzt die Forscher darauf hingewiesen, dass dieser Wert in Zusammenhang und in Wechselwirkung mit vier Proteinen steht und darum gebeten, von der gleichen Ampulle ein komplettes screening zu machen. Anders gesagt: Es sollte komplex untersucht werden. Das wurde am 23. Mai gemacht.

Und das Ergebnis?

Kein Wert lag über der Norm. Das Ganze wurde dann als abgeschlossen beiseite gelegt. Jetzt fühle ich mich politisch missbraucht.

Publik wurde die Sache durch einen Bericht des "Corriere della Sierra". Donati hat diesen Bericht nicht dementiert. Er ist ein führender und angesehener Anti-Doping-Spezialist. Weshalb sollte er Sie fälschlich beschuldigen?

Er hat ja nicht bloß mich, sondern viele Sportler beschuldigt. Man muss betonen, dass es sich hier um ein Forschungsprojekt handelt. Da wurden mit Zwischendaten Anklagen erhoben. Das endgültige Ergebnis der Forschung steht doch noch gar nicht fest. Ich glaube, dass das auch ein Frontalangriff auf die CONI ist. Donati und Bellotti wollen die Anti-Doping-Forschung aus der CONI auslagern und sie in Eigenregie betreiben. Da geht es ja auch um viele Forschungsgelder. Aber sicher weiß ich nur, dass meine Werte instrumentalisiert wurden.

Wie hat denn die CONI bis jetzt offiziell auf den Bericht des "Corriere" reagiert?

Am Samstag habe ich CONI-Chef Petrucci bei einer Veranstaltung getroffen. Da nahm er mich spontan in den Arm. Er erklärte öffentlich, dass die CONI Anwälte einschalten werde, weil hier gegen den Datenschutz verstoßen worden sei. Außerdem würden jetzt Spezialisten untersuchen, ob die Vorwürfe stimmen.

Das klingt nicht nach Rückendeckung.

Wissen Sie, hier In Italien dauert es immer ein bisschen, bis da was passiert. Aber auf jeden Fall hat er gesagt, dass das CONI sicher war, dass man saubere Athleten nach Sydney geschickt habe.

Wie oft sind Sie denn im Training kontrolliert worden?

Ein- oder zweimal pro Monat, von nationalen und internationalen Kontrolleuren. Allein 2000 habe ich insgesamt 17 Proben abgegeben. Ich bin seit 12 Jahren in der Spitze, bei mir wurde noch nie etwas gefunden. Aber ich kann Ihnen auch sagen, wie diese Kontrolle für das Projekt abgelaufen ist.

Nur zu.

1999 habe ich eine Urin- und eine Blutprobe für das Projekt abgegeben. Die Ampullen wurden nicht versiegelt. Abtransportiert wurden sie in einem Schuhkarton. Auch die Proben, die ich am 20. Mai abgegeben habe, wurden nicht versiegelt. Ich habe gegen diese Prozedur protestiert, aber man sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen, weil es sich um ein Forschungsprojekt, nicht um eine Dopingkontrolle handle.

Glauben Sie, dass Sie nach diesen Veröffentlichungen keine Sponsoren mehr finden?

Ich hatte vor Sydney keine, und daran wird sich nichts ändern. Aber wissen Sie, das ist mir im Moment völlig egal. Mit geht es darum, wie ich als Mensch dastehe. Das trifft mich am meisten. Ich bin erschüttert darüber, wie Leben zerstört werden können. Da wurden ohne Recherchen Aussagen getroffen. Es entstand ein Schaden, der nicht mehr zu reparieren ist. Als ich am Freitag aus Sydney nach Hause kam, machte das ganze Dorf ein Riesenfest. Aber jetzt ist das Lächeln der Leute nicht mehr so wie am Freitag.

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