Sport : Einer kapituliert schon Freiburg hofft, Lautern plant den Neuaufbau

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Hinterhergelaufen. Auch mit dem neuen Trainer Krassimir Balakow hält der Abwärtstrend des 1. FC Kaiserslautern an.
Hinterhergelaufen. Auch mit dem neuen Trainer Krassimir Balakow hält der Abwärtstrend des 1. FC Kaiserslautern an.Foto: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern taumelt Richtung Zweite Liga. Nach dem 0:2 gegen den SC Freiburg, der auch um den Klassenerhalt ringt, sieht es nicht gut aus für den Traditionsklub. Sieben Punkte liegt er hinter dem Hamburger SV zurück, der Relegationsplatz 16 belegt. Aber sind die Pfälzer nach dem ersten Spiel unter ihrem neuen Trainer Krassimir Balakow zum dritten Mal nach 1996 und 2006 wirklich schon abgestiegen? Welche Botschaften und Tendenzen gehen vom Abstiegsduell im Breisgau aus? Wenn Kaiserslautern im Berliner Olympiastadion auf Hertha BSC trifft, könnte schon alles vorbei sein. Die Partie ist die fünfte der noch ausstehenden sieben. Dann hat der FCK schon gegen Hamburg, Hoffenheim (beide daheim), in Leverkusen und zu Hause gegen Nürnberg gespielt. Und die Partie in Freiburg hat gezeigt, dass es dem Kader an Qualität fehlt. Selbst die Wechsel, die Balakow vornahm, manche bedingt durch Verletzungen, zeitigten keine Wirkung.

Balakow, der sich als Jugendförderer versteht, brachte Julian Derstroff. Der schoss einmal gefährlich aufs Tor. Die umgestellte Abwehr patzte, und aus dem runderneuerten Mittelfeld kamen auch keine Impulse. Wenn die positive Erkenntnis die ist, dass die Mannschaft nach dem 0:2 Moral und Charakter gezeigt habe, wie der neue Cheftrainer feststellte, dann ist das für die Bundesliga leider zu wenig.

In Kaiserslautern macht sich Resignation breit. Als die Pfälzer nach dem Spiel zum Block ihrer Anhänger gingen, wartete dort fast niemand mehr. Das schmeckt nach Kapitulation. „Wenn es nicht reichen sollte, werden wir den Neuaufbau angehen“, sagte Balakow. Bleibt nur noch der Glaube an ein Wunder. Dieses Gefühl könnte bei einer Niederlage gegen den HSV am kommenden Wochenende endgültig verschwinden. Der FCK wäre endgültig auf Abschiedstour.

Anders Freiburg. Dort musste sich niemand gegenseitig kennenlernen. Der Trainerwechsel in der Winterpause wurde als Befreiung empfunden. Und als Aufbruch in eine neue Zeit. Der neue Trainer Christian Streich nahm dem gesamten Verein und seiner Mannschaft die Angst vor einem Abstieg. Jetzt ist man auf dem besten Weg, die Klasse zu halten. Freiburg lebt, Freiburg will in der Bundesliga bleiben, und Freiburg hat sich als Mannschaft gefunden. Auch Streich brachte nach seinem Amtsantritt junge Spieler – aber er hatte mehr Fortune. Matthias Ginter schoss gleich ein Tor, und die Verjüngungskur löste im Breisgau Euphorie und Sicherheit aus. Das ist ein Unterschied. Beim FCK muss man die misslungene Personalpolitik der Winterpause ausbaden. Das Gemeinschaftsgefühl ist verloren gegangen. Gekämpft und geglaubt wird dort nicht mehr.

Freiburg profitiert von einer mutigen und sinnvollen Strategieänderung zurück zu den Wurzeln des Ausbildungsvereins. Die Trennung von sechs Spielern und Trainer Marcus Sorg in der Winterpause war für Freiburg eine schmerzhafte Zäsur. Der Verein hat es ausgehalten, nicht mehr der gemütliche Klub aus dem Südwesten zu sein, und bewiesen, dass es keinem egal ist, ob man in Liga eins oder zwei spielt. Streich gab Freiburg eine Perspektive. Die des FCK heißt Zweite Liga. Das konnte jeder in den Gesichtern der geschlagenen Spieler ablesen.

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