Sport : Einer macht den Unterschied

In den zwei Jahren ohne Quadre Lollis blieb Alba ohne Titel – jetzt ist der Amerikaner zurück und spielt im Finale eine wichtige Rolle

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Quadre Lollis spricht kein Kroatisch. „Dafür kann ich auf Kroatisch singen“, sagt der Basketball-Profi von Alba Berlin. Nach dem Pokalsieg seiner Mannschaft im April erfreute Lollis seine Kollegen mit Lyrik aus Osteuropa, im Arm hielt er seinen kroatischen Mitspieler Matej Mamic. Die beiden haben gemeinsam für Galatasaray Istanbul gespielt, und in dieser Zeit seien sie „so etwas wie Brüder geworden“, sagt Lollis. Deshalb verknüpft er seine Zukunftspläne mit denen von Mamic, der nach einer Rückenmarkprellung um sein Comeback kämpft. Die Verträge beider Spieler laufen aus. „Wir sprechen uns ab“, sagt Lollis. Er würde nach eigener Aussage gern bleiben. „Damit Alba mich halten will, müssen wir aber die Meisterschaft holen.“ Das dritte Finalspiel gegen Köln findet heute um 19 Uhr in der Max-Schmeling-Halle statt (live auf Premiere). In der „Best of five“-Serie steht es 1:1.

Albas Vereinsführung will sich offiziell erst nach den Endspielen mit den Personalien für die kommende Spielzeit befassen, auch mit der von Matej Mamic. Es seien zwar schon Überlegungen angestellt worden, „aber konkrete Gespräche führen wir erst später. Jetzt gilt unsere volle Konzentration dem Finale“, sagt Henning Harnisch. Der Teammanager ist zuversichtlich, dass seine Mannschaft die Serie für sich entscheiden wird. Auch weil Lollis nach zwei Jahren in Athen wieder für Alba spielt. „Er ist ein Spieler, der sich mit der Situation steigert“, sagt Harnisch. Lollis zeige schon seit Wochen, „dass er mehr als bereit ist“. Tatsächlich ist Lollis seit dem Beginn der Play-offs in überragender Verfassung. Sein größter Vorteil liegt nach eigenen Angaben in einer für Basketballer im Allgemeinen eher ungünstigen Tatsache. „Meine Gegenspieler unter dem Korb sind fast immer größer als ich“, sagt er. „Deshalb sind sie zu langsam.“

Die guten Leistungen von Lollis fallen aber nicht jedem Beobachter auf, weil er kaum spektakuläre Aktionen zeigt – nur selten stopft der 33-Jährige den Ball in den Ring, er bevorzugt den Korbleger, um Kraft zu sparen. Lollis erzielt pro Spiel etwa 10 Punkte, das ist nicht überragend. Dagegen führt der US-Amerikaner die Statistik an, mit der die Effizienz eines Spielers während der Play-offs ermittelt wird. In dem laut Teammanager Harnisch wichtigsten Koeffizienten werden gute Aktionen wie Rebounds und Punkte in ein Verhältnis zu schlechten Aktionen wie Ballverlusten gesetzt. „Er ist zuständig für die Kleinigkeiten“, sagt Harnisch. Lollis sagt über sich selbst: „Ich bin mir für nichts zu schade.“

Vielleicht waren die Mannschaften, in denen Quadre Lollis gespielt hat, auch deshalb stets erfolgreich. Als er 2003 schon einmal in Berlin war, wurde Alba Meister und Pokalsieger, ohne ihn holten die Berliner zwei Jahre lang keinen Titel. Auch AEK Athen, Galatasaray Istanbul und der belgische Klub Sunair Ostende profitierten von seinen Stärken. „Ich stand in meiner Profikarriere in acht Endspielen und habe fünf davon gewonnen“, sagt Lollis. Heute kann er mit einem weiteren Sieg in der Endspielserie seinem sechsten Titel einen großen Schritt näher kommen. Und einem kroatischen Ständchen für seine Mannschaftskollegen.

In den Finalspielen zwischen Berlin und Köln haben die Schiedsrichter auffallend häufig auf „unsportliches Foul“ entschieden, allein im zweiten Endspiel sechs Mal. Nach einem solchen Pfiff erhält die gefoulte Mannschaft zwei Freiwürfe und Ballbesitz. „Das sind Fouls, die eindeutig nicht im Kampf um den Ball oder eine Position begangen werden“, erklärt Michael Geisler, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission des Basketball-Bundes. „Vor kurzem haben wir auf einer Schiedsrichterversammlung noch einmal auf die strenge Einhaltung dieser Regel hingewiesen, weil wir beobachtet hatten, das sie nicht konsequent umgesetzt wurde“, sagt Geisler.

Die besonders strenge Auslegung der Regel im Finale könnte außerdem mit der Eskalation im Halbfinalspiel zwischen Bamberg und Köln zusammenhängen. Die beiden Mannschaften hatten sich eine heftige

Prügelei geliefert. ist

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