Sport : Einer muss zugucken

Schalke, Bremen und der HSV haben sich abgesetzt, können aber nicht zu dritt in die Champions League

Mathias Klappenbach

Berlin - Der Titel ist noch möglich. „Das ist eine große Chance, über die wir froh und glücklich sind“, sagt Manager Andreas Müller. Nach dem 3:1 bei Lewski Sofia im Viertelfinal-Hinspiel des Uefa-Cups steht Schalke 04 so gut wie im Halbfinale. So könnten die Gelsenkirchener am Ende der Saison doch noch einen Pokal in die Höhe halten und den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte von 1997 wiederholen. Und damit das zweitwichtigste Saisonziel erreichen. „Wirtschaftlich hat die Liga ein Stückchen mehr Priorität“, sagt Müller. „Wir haben jetzt zwei große Ziele, die wir jedes für sich sehen.“ Obwohl der deutsche Meistertitel an den FC Bayern vergeben ist, gibt es in der Bundesliga noch viel zu gewinnen und zu verlieren. Mehr als im Uefa-Cup.

Platz zwei und drei, Silber und Bronze, lassen sich in der Champions League zu Geld machen, zehn bis 15 Millionen Euro sind garantiert. Drei Vereine, Werder Bremen, der Hamburger SV und Schalke, machen diese Ränge unter sich aus. Gefahr von hinten droht nicht, das Polster ist groß. Der Fünfte vor diesem Spieltag, Hertha BSC, hat 15 Punkte Rückstand auf Schalke und den vierten Platz. Hätte Hertha 15 Punkte weniger, könnten die Berliner fest für die zweite Liga planen. Trotz des großen Vorsprungs wird einer der drei Champions-League-Kandidaten am Ende genauso erfolgreich oder in diesem Fall erfolglos gewesen sein wie der Fünfte.

Es wird dann keine Rolle mehr spielen, wie die Saison vorher verlaufen ist. Dem Hamburger SV hat vor der Saison kaum jemand zugetraut, dass er an diesem Sonntag seinen zweiten Platz bei den Schalkern verteidigen kann. Der HSV hat sein Saisonziel Stück für Stück nach oben korrigiert, inzwischen heißt es auch offiziell Champions League und nicht mehr internationaler Wettbewerb, das Selbstbewusstsein in Hamburg ist derzeit groß. Die Schalker waren fast die gesamte Saison über Vierter, haben aber den Rückstand wesentlich verkürzt. Bremen ist konstant oben dabei. „An dem Vorsprung auf Platz fünf ist zu sehen, dass es eine Mannschaft treffen wird, die qualitativ nicht schlechter ist als die anderen“, sagt Bremens Manager Klaus Allofs.

Ob er ein Angebot, Platz drei und damit einen der beiden verbliebenen Stühle bei der Reise in die Champions League sicher zu haben, annehmen würde? „Die Frage stellt sich nicht, es kommt ja keiner“, sagt Allofs. Schalkes Manager Müller hätte den Platz, der zum Einzug in die Qualifikationsrunde berechtigt, noch vor einigen Wochen angenommen, „aber jetzt wollen wir mehr“. Wenn er zwischen einem Triumph im Uefa-Cup oder der Teilnahme an der Champions League wählen müsste, würde er „beides nehmen“.

Eine der drei Mannschaften bekommt aber am Ende der Saison lediglich einen Platz im Uefa-Cup. Der Unterschied zwischen Bronze und Blech ist bei Olympia für die Athleten auch nicht größer. „Wir haben bei unseren Vorbereitungen für die nächste Saison einen Stufenplan und stark leistungsbezogene Verträge“, sagt Allofs. „Wenn wir die Champions League verpassen, weil wir schlechter sind als die anderen, wäre ich enttäuscht, würde das aber einsehen. Sehr verärgert wäre ich nur, wenn wir unglücklich scheiterten oder die Champions League leichtfertig aus der Hand gäben.“

Bremen spielt heute bei Eintracht Frankfurt, die beiden Konkurrenten nehmen sich am Sonntag in Schalke gegenseitig die Punkte ab. „Die Bedeutung dieser Partie muss niemand mehr herausstellen, da genügt ein kurzer Blick auf die Tabelle“, sagt Hamburgs Manager Dietmar Beiersdorfer. Bei den Schalkern hofft Andreas Müller darauf, dass der Auswärtssieg im Uefa-Cup die Mannschaft für den Kampf um einen Champions-League-Platz für die kommende Saison beflügelt.

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