Sport : Einer unter vielen

Tiger Woods muss sich beim Ryder Cup unterordnen

Petra Himmel
Foto: AFP
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Celtic Manor - Corey Pavin, der Profigolfer, ist ein zäher, eher vorsichtiger Mensch. Einer, den man aufgrund seiner kurzen Schläge selten auf Angriff spielen sieht. Corey Pavin, der Ryder-Cup-Kapitän, setzt dagegen auf Risiko. Ansonsten hätte der 51-Jährige am Dienstag nicht gelassen erklärt, dass er auch den 21-jährigen Rickie Fowler am ersten Oktoberwochenende mit zum Ryder Cup nach Celtic Manor in Wales nehmen wolle.

Diese Wildcard für den jungen Kalifornier ist die umstrittenste Entscheidung in der Aufstellung des zwölfköpfigen Teams. Die Wahl von Tiger Woods, Stewart Cink und Zach Johnson, die sich wie Fowler ebenfalls nicht automatisch qualifiziert hatten, war allgemein vermutet worden. Einen Mann wie Woods, der inzwischen die 274. Woche in Folge die Weltrangliste anführt, lässt kein Kapitän zu Hause.

Fowler dagegen ist erst vor elf Monaten ins Profilager gewechselt. Er ist ein Naturtalent, ein aggressiver, enthusiastischer Spieler. Fowler, so Pavins Zielsetzung, soll dem US-Team den jugendlichen Kampfgeist einhauchen. „Ich sorge sicherlich für Farbe in der Mannschaft und ich sorge natürlich für Jugend, vielleicht kann ich das ganze Team damit so richtig in Fahrt bringen“, erklärte Fowler selbst. Dabei ist er auf der US-PGA-Tour sieglos, lag nur auf Rang 20 der Ryder-Cup-Qualifikation und hat in den vergangenen drei Monaten kein Top-Ten-Ergebnis erzielt.

„Am Ende war die Entscheidung eine Sache des Gefühls“, begründete Pavin seine Wahl der vier Profis. „Ich habe Spieler gesucht, die das Team abrundeten, nicht Individuen.“ Dabei hat man gerade Tiger Woods bei all seinen Ryder-Cup-Starts immer zu viel Individualität nachgesagt. Doch nun sind die Voraussetzungen gänzlich anders, die Kräfteverhältnisse im US-Team haben sich verschoben. Bisher hatte sich Woods immer als Nummer 1 der Rangliste automatisch qualifiziert. Dieses Mal war er auf Pavins Wildcard angewiesen. Aus der Primadonna Woods, die bei bisherigen Ryder Cups stets ein wenig außerhalb der Mannschaft stand, ist dadurch ein Spieler geworden, der beweisen muss, dass sich Pavin zu Recht auf ihn verlässt. „Sag mir, was ich tun soll, und ich werde es machen“, hat er geantwortet, als dieser ihn am Montag fragte, ob er Teil des Teams sein wolle.

Ob nun mit einem mannschaftsdienlichen Woods oder nicht – die Amerikaner reisen als Außenseiter nach Celtic Manor. In Europa gelang ihnen zuletzt 1993 ein Sieg. Petra Himmel

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