Sport : Einer wird verlieren

Herthas Nando Rafael könnte jetzt spielen – doch dann müsste Fredi Bobic auf die Bank

André Görke

Berlin. Hans Meyer wäre nicht Hans Meyer, würde er nicht einmal in den Tagen der Hoffnung an Grundsätzliches denken. „Wir können noch mehr Kreativität gebrauchen“, sagt der Trainer von Hertha BSC. „Und Nando Rafael ist einer unserer Kreativsten.“

Am kommenden Samstag, wenn die Berliner beim SC Freiburg antreten, dürfte Nando Rafael nach seinen zwei Spielen Sperre wieder auflaufen. Doch an dieser Stelle beginnt das Problem: Am vergangenen Sonntag gewann Hertha gegen Stuttgart 1:0, und im Angriff boten Fredi Bobic und der neue Stürmer Giuseppe Reina eine gute Leistung. Der eine, Fredi Bobic, erzielte drei Minuten vor dem Abpfiff das entscheidende Tor, und der andere, Giuseppe Reina, belebte durch seine Dynamik derart das Offensivspiel, dass er von den Zuschauern gefeiert wurde.

Nando Rafael, 20, ist technisch stark, er ist schnell und wendig. Und da Hertha im Angriffsspiel nicht viele dieser Typen hat, galt es zum Beginn der Rückrunde lediglich als ungesichert, wer in der Rückrunde neben Rafael würde spielen dürfen. Zumal Herthas Trainer Hans Meyer nach dem Trainingslager deutlich gesagt hat, dass Rafael in seinem Team gesetzt sei. Auch deshalb konnte sich der Trainer den Luxus erlauben, Bobic eine Woche vor dem Rückrundenstart aus dem Kader zu streichen. Schließlich war ja immer noch Luizao da, der als Mittelstürmer von der Veranlagung her ähnlich agiert wie Bobic, aber bis dahin besser trainiert hatte. „Ich kann mit Fredi, so wie er sich präsentiert, nicht das spielen, was ich mir vorstelle“, sagte Meyer damals.

Nun ist Nando Rafael zurück, doch die Situation ist kaum mehr zu vergleichen mit der von vor zweieinhalb Wochen. Luizao wird wegen eines Kapselrisses noch einen Monat ausfallen und Artur Wichniarek wegen muskulärer Probleme in Freiburg nicht einmal zum Kader gehören. Und in der Zwischenzeit hat sich auch Fredi Bobic gesteigert: In Bremen, als Hertha vor etwas mehr als einer Woche 0:4 verlor, „hätte keiner besser spielen können als der Fredi“, sagt Meyer. Das war weniger ein Kompliment für den Strafraumspieler Bobic, sondern ein Vorwurf an die Kollegen, die ihn nicht mit Pässen versorgt hatten. Gegen Stuttgart aber, sagt Meyer, habe Bobic alles richtig gemacht.

Mit Fredi Bobic, mit Giuseppe Reina und Nando Rafael dürfte Meyer jedoch in einem Auswärtsspiel kaum auflaufen. Der SC Freiburg ist für seine Heimstärke bekannt und wird die Berliner Defensive ohnehin zu beschäftigen wissen. Somit werden im Berliner Angriff schnelle und athletische Typen gefragt sein, die sich in Unterzahl durchsetzen können. Das wären von ihrer Veranlagung jedoch nur Billy Reina und Nando Rafael. Fredi Bobic müsste dann auf die Bank.

Seine Überlegungen im Angriffsspiel will Hans Meyer nicht öffentlich machen und schon gar nicht debattieren. „Diskussion abgelehnt!“ Er sagt lediglich: „Mit Nando Rafael sind wir schwerer auszurechnen.“ Vielleicht kann sich Meyer bislang auch einfach nicht entscheiden. So viele Möglichkeiten im Angriff waren in dieser Saison selten.

Für Rafael spricht, dass er den Ball in den eigenen Reihen halten kann und den Kollegen die Sicherheit gibt, mutiger nach vorn aufzurücken. Und schließlich hatte Rafael in der Vorbereitung gut gearbeitet, jedenfalls besser als Fredi Bobic.

So sehr sich Meyer gegen die Diskussion wehrt, so sehr wird er sich auch darüber freuen. Er hat nach der Rückkehr von Rafael neben Giuseppe Reina einen weiteren Stürmer, der für Dynamik im Angriff sorgen kann. Fredi Bobic hingegen hat ganz andere Vorzüge; er ist ein Vollstrecker, ein Stürmer, der nicht viele Zuspiele benötigt, um ein Tor zu erzielen.

Neben den sportlichen Vorzügen Rafaels spielen auch dessen menschliche eine wichtige Rolle. „Er ist ein netter Bursche und trägt zur guten Stimmung bei. Er ist ganz wichtig für das Team.“ Noch ist Hertha Tabellenletzter. Gute Stimmung ist im Team immer noch keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Bereicherung sein. Notfalls auch auf der Ersatzbank.

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