Sport : Eines Siegers unwürdig

Bei Georg Hettichs Ehrung geht vieles schief.

Benedikt Voigt

Pragelato - Nur rund 300 Menschen sind im Langlaufstadion von Pragelato geblieben, obwohl noch ein bei Olympischen Spielen nicht unwichtiges Ereignis bevorsteht: die Siegerehrung. Irgendwann ertönt die deutsche Nationalhymne vom Band, allerdings so leise, dass man sie in 200 Metern Entfernung auch für die russische oder norwegische halten könnte. Einen besseren Hinweis auf die Nationalität des Siegers geben drei kleine Fahnen, die auf ebenso kleinen Masten hochgezogen werden. Sogar Olympiasieger Georg Hettich bemerkt auf dem Podium das seltsame Ambiente. Er sagt später: „Die Siegerehrung war schon relativ flach für Olympische Spiele.“

Die Siegerehrung bereitet bei den Olympischen Spielen in Turin einige Schwierigkeiten. Einige Medaillenübergaben finden bereits in den Bergen statt. Eine solche Zeremonie hat Georg Hettich erlebt, der überraschende Olympiasieger von Pragelato. Andere Sieger, wie Michael Greis, der zweite deutsche Olympiasieger vom Samstag, bekommen ihre Medaille erst auf der Olympic Medal Plaza in Turin. „Diese Ehrung war sehr schön“, sagte der Biathlet, „wenn man gewinnt, ist das Ambiente immer schön.“ Selbst dann, wenn wie auf der Olympic Medal Plaza Absperrungen, mit Blech verkleidete Gebäude und ein Container das Bild stören.

Greis musste für die würdigere Ehrung allerdings den eineinhalbstündigen Weg von rund 120 Kilometern nach Turin auf sich nehmen. Ursprünglich wollte das Organisationskomitee Toroc diese Strecke mit Hubschraubern bewältigen, längst ist es wegen der hohen Kosten auf Autos umgestiegen. Der Wagen von Greis wurde von der Polizei eskortiert. „Mit Blaulicht und Sirene – wie bei einem Staatspräsidenten. Wir sind über jede rote Ampel rüber“, erzählte Greis. An der Strecke nach Turin sind mehrere Stellen für die Dopingkontrollen aufgebaut, damit die Olympiasieger auf dem Weg zur Siegerehrung ihre Urinprobe abgeben können. Greis aber war schon „unmittelbar nach dem Wettkampf bei der Dopingkontrolle“. Im Biathlonstadion von San Sicario erlebte er lediglich die Flower Ceremony, bei der die drei Erstplatzierten Blumen erhalten.

Der Nordische Kombinierer Hettich erhielt sofort die goldene Medaille umgehängt, deren Form an einen amerikanischen Bagel erinnert. Er nahm die verunglückte Siegerehrung nicht so tragisch. „Da steh ich drüber“, sagte der 27-Jährige, „der Augenblick war auch so sehr schön für mich.“ Er wollte sich in der Minute des Triumphes nicht näher mit den äußeren Umständen seiner Siegerehrung beschäftigen. Außerdem hat er noch eine Chance, eine würdigere Ehrung zu erleben. Die übernächste Kombinationsmedaille wird in Turin vergeben. Um das zu erleben, muss Hettich am 21. Februar erneut auf das Podium laufen.

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